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No 4

Forrer, Ludwig

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geboren 9.2.1845 Islikon,gestorben 28.9.1921 Bern, ref., von Bäretswil und Winterthur. Sohn des Ludwig, Inhabers einer mechan. Werkstätte. ∞ Johanna Regula Dändliker, Tochter des Johann Jakob, Rektors der höheren Schulen in Winterthur. Nach Kantonsschulbesuch in Frauenfeld und Rechtsstud. in Zürich wurde F. 1867 Polizeileutnant und Erster Sekr. des Zürcher Verfassungsrats, 1870 Staatsanwalt. In Winterthur führte er 1873-1900 ein eigenes Advokaturbüro. 1870-1900 war F. einer der Führer der Demokraten im Zürcher Kantonsrat (Präs. 1875, 1879, 1884, 1898-99). Dem Nationalrat gehörte er als Vertreter der Ecole de Winterthour und der radikal-demokrat. Mehrheitsgruppe 1875, 1876-78 und 1881-1900 an (Präs. 1893). Mit einer Motion forderte er 1888 die Vereinheitlichung des Strafrechts in der Schweiz. In den 1890er Jahren verfasste er den Entwurf für ein Kranken- und Unfallversicherungsgesetz, wofür ihm die Univ. Zürich 1894 das Ehrendoktorat verlieh. Nach dem Scheitern der "Lex Forrer" in der eidg. Volksabstimmung zog er sich 1900 vorerst aus der schweiz. Politik zurück. Der Bundesrat ernannte ihn zum Direktor des Zentralamts für internat. Eisenbahntransport in Bern. Ende 1902 wurde er als Nachfolger von Walter Hauser in den Bundesrat gewählt; er stand sechs versch. Departementen vor: 1903 Handel, Industrie und Landwirtschaft, 1904-05 Inneres, 1906 und 1912 Polit. Dep. und Bundespräsidium, 1907 Militär, 1908 Justiz und Polizei, 1908-11 und 1913-17 Post und Eisenbahnen. Als Bundespräsident empfing er 1906 den ital. Kg. Viktor Emanuel III. und 1912 den dt. Ks. Wilhelm II. zu Staatsbesuchen in der Schweiz. Namhaften Anteil hatte F. an der heiklen Revision des Gotthardvertrags von 1909, die zu ungewöhnlich harten Auseinandersetzungen in der schweiz. Politik führte. 1917 schied F. aus dem Bundesrat aus und kehrte in die Direktion des internat. Eisenbahnamts zurück.


Archive
– ZBZ, Nachlass
Literatur
– W. Labhart Bundesrat Ludwig F., 1845-1921, 1973, (mit Bibl.)
– Altermatt, Bundesräte, 290-295

Autorin/Autor: Walter Labhart