No 14

Bleuler, Salomon

geboren 7.1.1829 Zürich,gestorben 12.2.1886 Winterthur, ref., von Zürich und Winterthur. Sohn des Johannes, Salzfaktors, und der Marie geb. Halder, von Lenzburg. ∞ 1854 Aline Elisabetha Hausheer, Tochter des Johann, Arztes, in Wollishofen (heute Zürich). Schwager von Gottlieb Ziegler. 1847-52 Stud. der Theologie in Zürich. Pfarrvikar in versch. Zürcher Gemeinden, 1853-59 Pfarrer in Glattfelden. 1859 Redaktor der NZZ, 1860 der "Aargauer Nachrichten", 1860-75 und 1877-86 des "Landboten", den er 1861 mit dem Verlag erwarb und 1864 mit dem "Winterthurer Tagblatt" vereinigte. 1873-78 Redaktion und Druck des "Grütlianer". 1873-74 Stadtschreiber, 1875-77 Stadtpräs. von Winterthur. Mitbegründer der Männer-Helvetia 1858, der Demokrat. Partei des Kt. Zürich 1868-69. Mitglied des Zentralkomitees des 1873 gegr. Schweiz. Volksvereins, ab 1863 des Grütlivereins, 1873-80 des ersten Arbeiterbundes. 1865-69 Zürcher Grossrat, 1869-79 Kantonsrat (1871 Präs.), 1868-69 Verfassungsrat (Mitglied der Redaktionskomm. der Kantonsverfassung von 1869). 1869-84 Nationalrat. Verwaltungsrat der Volksbank Winterthur (Präs.) und der Nationalbahn.

B. war einer der führenden Politiker der demokrat. Bewegung. Als Journalist und Volksredner organisierte er die Demokrat. Partei gegen das "System" Escher und formulierte, beeinflusst von Friedrich Albert Lange, ihr polit. Programm. Er forderte die direkte Demokratie sowie staatl. Massnahmen zugunsten der sozial Benachteiligten und erwartete davon die Lösung der sozialen Frage im Sinne der Klassenversöhnung. Als Sozialpolitiker förderte er die Genossenschaftsidee, gründete und unterstützte in Winterthur einen Arbeiterverein und Konsumvereine. 1877 gehörte er zu den Vorkämpfern für das eidg. Fabrikgesetz. Unter seinem Einfluss wandelte sich der Grütliverein vom nationalen Bildungs- zum sozialen Reformverein. Bei der Revision der Bundesverfassung 1873-74 vermittelte B. zwischen Zentralisten und Föderalisten und sicherte der neuen Verfassung die Mehrheit. In den letzten Jahren zog er sich aus der Politik zurück, teils bedingt durch den Nationalbahnkrach von 1878, teils weil sich die Arbeiterschaft selbstständig zu organisieren begann und mit Forderungen auftrat, deren Radikalität er ablehnte.


Werke
– [Anonym], Warum? Rechtfertigung der demokrat. Bewegung und des Begehrens nach Verfassungsrevision, 1867
– [Anonym], Ein Märzenglöcklein für das Zürcher Volk, 1869
Literatur
– F. Scheuchzer, Salomon B., 1887
– Gruner, Bundesversammlung 1, 53 f.
– R. Wipf, 100 Jahre Konsumverein Winterthur, 1868-1968, 1968
– Gruner, Arbeiter

Autorin/Autor: Markus Bürgi