Unterstammheim

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Dorf im Zürcher Weinland. 761 Stamhaim. 1212 Stamheim [...] et inferiori. 1467 44 Haushalte; 1637 407 Einw.; 1663 637; 1695 602; 1746 600; 1850 756; 1900 645; 1950 655; 2000 845. Mögliche neolith. Terrassensiedlung (Rodelberg), frühbronzezeitl. Siedlungsspuren (Burghalde) und frühma. Grubenhäuser (nördlich vom Dorf), die wahrscheinlich zu der 868 belegten, im SpätMA abgegangenen Siedlung Aeppelhusen (Appilinhusun) gehörten. U. bildete mit Oberstammheim das Niedergericht bzw. 1464-1798 die Zürcher Obervogtei Stammheim. In U. sind frühe Zeugen des ländl. Fachwerkbaus erhalten, u.a. das dendrochronologisch auf 1420 datierte Girsberghaus. Zu den Stammheimer Gemeindegütern gehörte ab 1501 auch der 1429 angelegte Aeppelhuser Fischweiher, der 1727 austrocknete. 1531 wurde das Gemeindehaus errichtet (Saal mit 25 Wappenscheiben aus dem 16. und 17. Jh., heute Ortsmuseum). 1652 erfolgte die Trennung der Gem. in U. und Oberstammheim. Im SpätMA diente die Marienkirche von U. als Pfarrkirche für das ganze Stammertal. 1303 verkaufte das Kloster St. Gallen die Patronatsrechte dem Haus Klingenberg. Nach versch. Handänderungen kamen sie 1508 wieder zu St. Gallen. 1808 trat der Kt. St. Gallen als Rechtsnachfolger des Klosters die Kollatur an den Kt. Zürich ab. 1828 wurden Nussbaumen und Schlattingen aus der Kirchgemeinde Stammheim entlassen, die seitdem von den Gem. U., Oberstammheim (ohne Wilen) und Waltalingen gebildet wird. 1875 nahm die Nationalbahnlinie Winterthur-Etzwilen den Betrieb auf. 1919-27 und 1964-86 führte U. mit Oberstammheim und Waltalingen Meliorationen durch. 2005 stellte der 1. Sektor (Spezialkulturen wie Hopfen und Tabak) knapp 27%, der 2. gut 19% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– A. Farner, Gesch. der Kirchgem. Stammheim und Umgebung, 1911
– W. Bachmann, Der Einfluss von Bodenverbesserungen auf die wirtschaftl. Struktur eines Gebietes, 1949
– H. Frei, Die gemeinsame Trinkstube zu U., 2011

Autorin/Autor: Martin Illi