No 25

Planta, Peter Conradin von (Zuoz)

geboren 24.9.1815 Zernez, gestorben 13.9.1902 Paspels, ref., von Zuoz, Zernez und Chur. Sohn des Johann Baptista, Gutsbesitzers und Schlossherrn auf Wildenberg bei Zernez, und der Alberica geb. Christ von Santz. Enkel des Nicolaus Christ von Santz. Urenkel des Peter ( -> 28). ∞ Elise Charlotte Bauer, Tochter des Ulrich, Bürgermeisters von Chur. 1825-28 Knabeninstitut Wetzel in Silvaplana, 1828-34 Kantonsschule Chur, 1835 Thomasschule in Leipzig, 1836-37 Stud. der Rechte in Leipzig und Heidelberg. 1838-41 Anwalt in Zernez, zugleich Angestellter des Konfiskationsbüros in Sondrio zur Vorbereitung der Prozesse betreffend Restitution des 1797 konfiszierten bündner. Vermögens im Veltlin. 1841 Gemeindepräsident von Zernez. P. regte die Gründung eines "Reformvereins" zur Schaffung einer neuen Kantonsverfassung an. Zunächst verlegte er sich auf die journalist. Tätigkeit: 1841 übersiedelte er nach Zürich und gründete dort nacheinander zwei nur kurzlebige radikale Monatsschriften ("Der Pfeil des Tellen" 1842-43 und die "Neue Helvetia" 1843-44), mit denen er u.a. für eine neue Bundesverfassung kämpfte. Ab 1843 wohnte P. in Chur, wo er den zweimal wöchentlich erscheinenden liberalen "Freien Rätier" ins Leben rief und redigierte (ging 1848 ein); 1851-56 wirkte er als Redaktor am "Liberalen Alpenboten" und 1860-64 an der "Bündner. Wochenzeitung". Er arbeitete in der Verwaltung und nahm seine polit. Tätigkeit wieder auf: 1844-47 amtierte er als Stadtschreiber, 1848-49 als Stadtrichter; zwischen 1852-93 war er Mitglied des Kreis- (1852 und 1854-59 Präs.), Bezirks- und Kantonsgerichts (1855-70 Präs.), 1864-67 und 1877-80 des Gr. Stadtrats von Chur, 1851-52 und 1854-56 der Standeskommission, 1841, 1849, 1854-59 und 1861 des Gr. Rats (1850 und 1855 Präs.) sowie 1850 und 1853 des Kl. Rats. Auf Bundesebene vertrat P. Graubünden im Nationalrat (1856-57) und Ständerat (1852, 1856, 1862 bis Juni 1863, ab Juli 1864 bis 1872). P. trat überzeugt für liberale und demokrat. Prinzipien ein, verteidigte aber den föderalist. Staatsaufbau. Angefochten von links und rechts, unterlag er bei der Wahl ins Kantonsgerichtspräsidium (1870) und in den Ständerat (1872).

Glücklicher als in der Politik war P. als Verfasser wissenschaftl. Publikationen und als Gesetzesredaktor. In seinem "Waldbüchlein" (1848) pries er die Wälder als Quelle des Nationalreichtums. Diverse Schriften befassten sich mit der Erneuerung von Staat und Gesellschaft. Hohe Verdienste erwarb er sich um die Redaktion des bündner. Strafrechts (1851), der neuen Zivilprozessordnung (1871) und des Bündner Privatrechts (1862), dessen komplizierte Materie er in volksnaher Sprache neu ordnete (wofür er den Ehrendoktor der Univ. Zürich erhielt). Wenig erfolgreich waren seine hist. Dramen und Volksschauspiele, die in Form und Aufbau erhebl. Mängel aufwiesen. In seinen späteren Lebensjahren verfasste P. eine Reihe von ausgezeichneten hist. Arbeiten, darunter sein Hauptwerk "Das alte Rätien [...]" (1872), in dem er erstmals die rät., röm. und frühma. Geschichte des churrät. Raumes in einer Gesamtschau darstellte. Im Alter von 77 Jahren gab er die "Geschichte von Graubünden [...]" (1892) heraus, ein populär geschriebenes Werk, das zu seiner Zeit regen Zuspruch hatte. P. war auch Gründer und erster Präs. der Hist.-Antiquar. Gesellschaft Graubünden (1870) sowie Initiator des Rät. Museums in Chur (1872). P.s herausragende Leistungen liegen in seiner Tätigkeit als Gesetzesredaktor, durch welche er die kant. Rechtsentwicklung massgebend gestaltete und anführte, sowie in der hist. Erforschung und Darstellung der Bündner Geschichte.


Literatur
– C. Jecklin, «Ständerat Peter Conradin von P.», in JHGG 32, 1902, 1-23 (mit Werkverz.)
Schweizer Juristen der letzten hundert Jahre, hg. von H. Schulthess, 1945, 196-224
– Gruner, Bundesversammlung 1, 623 f.
Bedeutende Bündner aus fünf Jahrhunderten 2, 1970, 36-51

Autorin/Autor: Martin Bundi