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Latour, Alois de

geboren 5.8.1805 Breil/Brigels, gestorben 11.8.1875 Breil/Brigels, kath., von Breil/Brigels. Sohn des Christian Ulrich, Landwirts und Majors, und der Margaretha geb. de L. ∞ Viktoria Kresenzia geb. de L., Tochter des Caspar Theodosius ( -> 5). Schwager von Caspar ( -> 3) und von Remigius Peterelli. Gymnasium an den Jesuitenkollegien Solothurn und Luzern, Stud. der Rechte in Heidelberg, Berlin und Jena. Anwalt in Breil/Brigels. 1831-67 Grossrat (mit Unterbrechungen), 1834-36 Landammann der Cadi, 1842 und 1852 Standespräsident. 1833-43 Appellationsrichter des Oberen Bundes. 1834-39, 1846-51 Kantonsappellationsrichter, 1864-69 Kantonsrichter. 1835 Präs. des Kath. Schulvereins, 1839-45 des paritätischen kant. Erziehungsrats. Zwischen 1838 und 1863 mehrmals Landrichter (genannt "Landrichter giuven") bzw. (ab 1854) Regierungsrat. 1848-51, 1854-57, 1863-69 Nationalrat, Juli 1861-Juni 1862 Ständerat. 1865-75 Verwaltungsrat der Vereinigten Schweizerbahnen. Ab 1824 Zofinger.

Der Führer der Bündner Katholisch-Liberalen gehörte in der Bundesversammlung zur Linken. Als führender Kopf der Modernisierung von Strassenbau, Landwirtschaft, Volksschule und Kath. Kantonsschule in der Surselva nach 1835 kämpfte L. für die bürgerl.-überkonfessionelle Volksschule und parität. Kantonsschule. Mit Peter Anton ( -> 7) und Ludwig Vieli war L. ein Pionier der rätorom. Presse ("Il Grischun Romontsch" ab 1.3.1836). Seine liberale Grundsatzpolitik und sein erfolgreicher Einsatz für die Vereinigung der konfessionell getrennten Kantonsschulen bewirkten nach 1849 die Spaltung der Surselva in eine kath.-liberale Richtung um die L. und eine ultramontane um die Condrau von Disentis.


Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 618
– A. Collenberg, Die de L. von Brigels in der Bündner Politik des 19. Jh., 1982

Autorin/Autor: Adolf Collenberg