No 4

Caflisch, Johann Bartholome

geboren 29.1.1817 Chur, gestorben 12.8.1899 Trin, ref., von Trin. Sohn des Christian, Oberstleutnants in sardinischen und franz. Diensten, und der Elsbeth geb. Thöni. ∞ 1) 1846 Franziska Hold, von Arosa, Tochter des Luzius, Rektors der Evang. Kantonsschule, 2) 1863 Elsbeth Florin, von Klosters, Tochter des Christian, Geschworenen. Schwager von Ständerat Hans Hold. Nach dem Besuch der Trinser Dorfschule und des Gymnasiums in Chur studierte C. Rechtswiss. in Tübingen, München und Pavia (ohne Abschluss). Nach seiner Rückkehr etablierte er sich als Advokat in Chur.

1847 war C. stellvertretender Tagsatzungsgesandter. Zwischen 1847 und 1883 sass er mit Unterbrüchen sechsmal im Bündner Gr. Rat, anfänglich für den Kreis Trin, dann für Chur; Standespräs. war er 1874. C. engagierte sich stark und auch publizistisch für die wirtschaftliche und polit. Erneuerung Graubündens. Er war führendes Mitglied des Reformvereins, der die kant. Verfassungsrevision von 1854 in Gang brachte. In den 1860er Jahren setzte er sich für die Erweiterung der Bündner Volksrechte und für eine Reform des Kl. Rats ein. Im Ständerat sass C. 1853-56, 1859-60 und 1868-69, im Nationalrat 1860-63 und 1869-72. Er war Anhänger der Bundesverfassung von 1848 und befürwortete als Zentralist die Revisionen von 1872 und 1874. Im Alter und nach seinem Rückzug nach Trin wirkte er in der internat. Friedensbewegung.

C. trug entscheidend zur ruhigen, aber dezidierten Bündner Haltung gegenüber dem Sonderbund bei. Im Gr. Rat war er einer der führenden Liberalen bzw. Freisinnigen. In der Bundesversammlung wirkte er eher unauffällig auf der Linie der demokrat. Linken von Gaudenz Gadmer und Florian Gengel. Sein besonderer Einsatz galt der Vereinheitlichung des Schweizer Rechts.


Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 611

Autorin/Autor: Jürg Simonett