Grosshöchstetten

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Konolfingen, am Übergang vom Aare- ins Emmental gelegen. 1146 Honsteten; bis 1896 Höchstetten. 1764 321 Einw.; 1850 659; 1900 799; 1950 1'661; 1980 2'893; 2000 3'196.

Zwei latènezeitl. Gräber wurden im Bereich Buchelhüsli/Hürnbergacker entdeckt. G. gehörte zum kyburg., ab 1406 bern. Landgericht Konolfingen. In Grundbesitz und Niedergerichtsrechte teilten sich im SpätMA versch. Inhaber, v.a. die Freiherrschaften Wil (Schlosswil) und Signau. Zu Verkäufen der Herrschaft Signau im 14. Jh. zählten Höfe, Twingmühle (1360) sowie Kirchensatz (1362). Letzterer ging an die Bürgerfamilien von Büren und von Ballmoos, bis ihn 1494 das Chorherrenstift Bern erwarb, das 1517 die Kirche (1230 erw.; Marienpatrozinium; Vorgängerbau 11. Jh.; Bau 1811) inkorporierte. Mit der Reformation 1528 kam der Kirchensatz an Bern. Die Herrschaft Wil erwarb von Signau 1528 das halbe Gericht G., das nur die Dorfmark umfasste, und legte es 1534 mit jenem von Wil zusammen (Gerichtsort G.). Die Dorfordnungen des Zelgdorfs datieren von 1572, 1664 und 1794. Es hatte gemeinsam mit anderen Bauernsamen im Hürnberg 1346 und 1563 belegte Holz- und Weiderechte inne; 1614-30 wurde der Wald unter den Gem. aufgeteilt. Die Verteilung des Grosshöchstettener Stücks auf Private erfolgte 1854. Der Weidgang mit Wil im Thali wurde 1646-1707 geteilt; die Drainage des Thalimooses wurde 1918-19 vorgenommen. Seit 1834 ist G. Marktort. Vermehrte Vieh- und Milchwirtschaft führte 1839 zur Käsereigründung. Die günstige Verkehrslage am Strassenkreuz Bern-Luzern und Burgdorf-Thun, seit 1899 auch an der Burgdorf-Thun-Bahn, prädestinierte G. für regionale Aufgaben. Es war 1803-47 Sitz der Amtsschreiberei Konolfingen und beherbergt seit 1828 die Ersparniskasse (ab 1992 Schweiz. Bankgesellschaft bzw. UBS), seit 1856 eine Sekundarschule, seit 1879 eine Krankenstube als Vorläuferin des Bezirkspitals sowie ein Altersheim. G. bildet mit Bowil, Mirchel, Obertal und Zäziwil eine Kirchgemeinde, die in die Pfarrkreise G., Zäziwil (1874) und Bowil-Oberthal (1930) gegliedert ist. Der gewerbl. Aufschwung setzte v.a. nach 1870 ein (Grossmetzgerei 1853, ein Käsehandel 1873-1980, Weinhandlung 1922, Biskuitfabrik 1901-70, Kleinmöbelfabrik 1911, diverse Druckereien). Nach 1960 siedelten sich ein Eloxierwerk, Apparate-, Metall- und Stahlbaubetriebe sowie Bauunternehmen an. Das Bevölkerungswachstum nach 1960 löste rege Bautätigkeit im ganzen Gemeindegebiet aus. Das Zentrum Möschberg, früher eine Bäuerinnenschule, heute eine Schule für biolog. Landbau, besteht seit 1932.


Literatur
– E. Werder, Schloss und Herrschaft Wil, 1938
– H. Bührer, P. Michel, G., 1985
– C. Kessler Loertsch, Bauinventar der Gem. G., 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler