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Brosi, Johann Rudolf

geboren 31.5.1801 Klosters (heute Klosters-Serneus), gestorben 25.12.1877 Schiers, ref., von Klosters. Sohn des Florian Ambrosius, Landwirts und Fähnrichs, und der Anna geb. B. ∞ 1841 Maria Roffler, Tochter des Nauli, Bundslandammans, von Klosters. Nach dem Besuch der Gemeindeschule und evtl. der Kantonsschule in Chur studierte B. die Rechte und Staatswiss. in Berlin.

Erste polit. Erfahrungen sammelte B. als Landammann des Gerichts Klosters, wo er sich v.a. mit Verkehrs- und Schulfragen beschäftigte. 1841 zog er nach Schiers. Die Advokatur gab er bald zugunsten der Politik auf, was ihm der ausgedehnte Grundbesitz der Fam. B. und Roffler ermöglichte. Als Bundslandammann des Zehngerichtenbunds sass er zwischen Sept. 1832 und 1848 sechsmal im Bündner Kl. Rat. Mitglied des Gr. Rates, den er mehrmals präsidierte, war er 1848-51, 1854-63 und 1865-69; der Standeskommission gehörte er 1837 an. 1841 war B. Gründungsmitglied des Reformvereins für die neue Bündner Verfassung. Auf schweiz. Ebene fungierte er zwischen 1830 und 1846 siebenmal als Tagsatzungsgesandter, 1848-49 und 1856-57 als Ständerat, 1849-51 als Nationalrat, überdies 1851 als Eidg. Kommissär im Tessin und 1848-59 als Bundesrichter. Als populärer Redner an unzähligen offiziellen Anlässen präsidierte B. das Eidg. Freischiessen 1842 in Chur. Er war Mitglied der Bündner Verhandlungsdelegation zur Ablösung der kant. Zölle und fiskal. Belastungen und 1863 Gemeindepräs. von Schiers.

In den 1830er und 40er Jahren Führer der Bündner Radikalen und eifriger Verfechter der Bundesrevision, gehörte B. in der Bundesversammlung zur Linken. Der in weiten Teilen Graubündens als unbefriedigend empfundene Zollablösungsvertrag von 1849 kostete ihn 1851 seinen Sitz im Nationalrat.


Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 608 f.
– Metz, Graubünden

Autorin/Autor: Jürg Simonett