Bowil

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Konolfingen. Die Gem. auf der Wasserscheide von Aare und Emme erstreckt sich im Süden auf den Kurzenberg, im Norden auf Ausläufer der Blasenfluh und umfasst die Dörfer B. (1299 Bonwile), Oberhofen, Rünkhofen und Steinen sowie Häusergruppen und Einzelhöfe. 1764 951 Einw.; 1850 1'588; 1870 1'765; 1900 1'665; 1950 1'514; 1980 1'247; 2000 1'339.

An der Grenze zu Signau, beidseits der Talenge, liegen die Ruinen der hochma. Stammburgen der Frh. von Signau, Alt- und Neu-Signau. In vorbern. Zeit verlief die Grenze auf der Wasserscheide, so dass damals beide Burgen auf Signauer Boden standen. Die Freiherrschaft hatte in B. neben andern Grundherren (u.a. Niederes Spital Bern) und Bauern Besitz. B. gehörte zum Niedergericht Signau und ab 1529 zur neu geschaffenen Landvogtei Signau, war aber hochgerichtlich dem Landgericht Konolfingen unterstellt (seit 1803 Oberamt bzw. Amtsbez. Konolfingen). Nach der Reformation (1528) fand das Täufertum viele Anhänger. Zu dessen Bekämpfung schuf Bern im Rahmen der Kirchgem. Grosshöchstetten 1720 den Helfereibez. B.-Oberthal. Heute gehört B. zur Kirchgem. Grosshöchstetten, seit 1930 als Pfarrkreis B.-Oberthal mit der Kirche B.

In der Landwirtschaft überwog der Feldgrasbau. Eine Wald- und Weidegemeinschaft der Dorfgem. B., Oberhofen, Rünkhofen, Reutenen, Mirchel, Nüchtern und Zäziwil wurde nur allmählich (1594, 1608, 1679) aufgegeben. Steinen, mit separater Allmend, teilte sich 1691 in eine Innere und Äussere Gemeinde. Heute tragen diese alten sog. Rechtsamegem. Steinen-Hübeli, B., Längeney, Oberhofen und Rünkhofen nur noch zum Bachunterhalt bei. Im 19. Jh. ging man weitgehend auf Viehwirtschaft über (1990 33% in B. Erwerbstätige im 1. Sektor). Eine Strassenverbindung und die Bahnlinie Bern-Luzern (Station 1901) förderten die Wirtschaft (Maschinenfabrik, Holzverarbeitung), aber auch die Sogwirkung der Region Bern. 1990 wurde das Neuquartier Schlossberg angelegt.


Literatur
– F. Häusler, Das Emmental im Staate Bern bis 1798, 2 Bde., 1958-68
– A.-M. Dubler, «Adels- und Stadtherrschaft im Emmental», in AHVB 75, 1992, 30-38
– P. Stalder, B. und seine Gesch., [1996]

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler