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Lüthy, Herbert

geboren 15.1.1918 Basel, gestorben 16.11.2002 Basel, ref., von Wetzikon (TG) und Stettfurt. Sohn des Ernst, Missionars in Südindien, und der Martha geb. Dettwyler. ∞ 1963 Antoinette Lang. L. studierte allgemeine und Schweizergeschichte, franz. Sprache und Literatur in Paris und Zürich und promovierte 1942 mit der Arbeit "Die Tätigkeit der Schweizer Kaufleute und Gewerbetreibenden in Frankreich unter Ludwig XIV. und der Regentschaft" (1943). Bis 1958 arbeitete er journalistisch, u.a. während des 2. Weltkriegs für das "St. Galler Tagblatt". 1946-58 betätigte er sich in Paris als Auslandkorrespondent für "Die Tat" sowie als Mitarbeiter für internat. Zeitschriften wie "Preuves", "Der Monat" und "Encounter". Sein in versch. Sprachen übersetztes Buch "Frankreichs Uhren gehen anders" (1954) wies ihn als grossen Kenner der franz. Nachkriegsgeschichte aus. Gleichzeitg betätigte sich L. in Paris als Forscher. Davon zeugt seine zweibändige Habilitationsschrift "La banque protestante en France" (1959-61). 1958-70 wirkte er als Prof. für Geschichte an der ETH Zürich, 1971-80 an der Univ. Basel. L. verfasste zahlreiche, sprachlich brillante Essays zur Zeitgeschichte, in denen er u.a. die Rolle der Schweiz im sich vereinigenden Europa diskutierte, sich aber auch kritisch über die Zustände in der Schweiz äusserte ("Die Schweiz als Antithese" 1963, franz. 1961). 1968 erhielt er den Ehrendoktor der Univ. Genf, den er 1977 aus Protest gegen die Berufung Jean Zieglers zurückgab. 1975-79 war er Mitglied des IKRK.


Werke
GW, 7 Bde., 2002-05
Literatur
Schweizer Monatsh., 1997/98, Nr. 12/1
NZZ, 18.11.2002; 4./5.3.2006
BaZ, 19.11.2002

Autorin/Autor: Adrian Scherrer