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Guscetti, Severino

geboren 24.6.1816 Mailand, gestorben 20.4.1871 im Staat Victoria in Australien, kath., von Quinto. Sohn des Giovanni Antonio, Milchmanns und Inhabers eines Lebensmittelgeschäfts in Mailand, von Quinto, und der Margherita geb. Ujobi, aus Mailand. ∞ Giuditta Marini, aus Besana (Lombardei). G. studierte Medizin an den Univ. Wien und Pavia (1840 Dr. med.). Während ca. eines Jahrzehnts wirkte er als Armenarzt in Quinto. Er trat den philanthrop. und volkserzieher. Gesellschaften liberaler Ausrichtung bei, gehörte zu den Gründern des Temperenzvereins San Gottardo in der Leventina (1846) und der Gesellschaft der "Friedensstifter" (1848) zur Mässigung der privaten Händel; er förderte eine Volksbibliothek für die Leventina und war Präs. der Gesellschaft der Freunde für die Volksbildung (1850-51). Zudem übersetzte G. erzieher. und hist. Schriften Heinrich Zschokkes sowie gemeinverständl. Handbücher der Forstwirtschaft und verfasste Geografie-Schulbücher. Sein Freund Stefano Franscini bewog ihn, polit. Verantwortung zu übernehmen: 1848-51 gehörte er dem Tessiner Grossrat, 1849-51 dem Nationalrat an. Als Mitglied des Staatsrats 1851-54 (Erziehungs- und Sanitätsdep.) setzte er sich v.a. für die Agrarreformen, die Laisierung des Unterrichts auf der Sekundarstufe und die Organisation des kant. Gymnasiums in Lugano ein. Polit. Misshelligkeiten veranlassten ihn 1854, aus der Regierung zurückzutreten und mit der Fam. nach Australien auszuwandern, wo er den Arztberuf ausübte und sich in Landwirtschaftsspekulationen versuchte.


Literatur
ESI, 1885, 315-317, 325-329, 343-348, 355-357
– G. Nizzola, La società ticinese degli amici dell'educazione nel primo mezzo secolo di vita (1837-1888), 1889, 88-90
– Gruner, Bundesversammlung 1, 742

Autorin/Autor: Raffaello Ceschi / RG