Biglen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Konolfingen. Die Gem. im oberen Bigental umfasst das Dorf B. (894 Pigiluna, 1236 Biglun), den Weiler Enetbach und Einzelhöfe. 1764 495 Einw.; 1850 930; 1900 966; 1950 1'299; 2000 1'790.

Röm. Einzelfunde im Dorf. Im 14. Jh. kamen der Kirchensatz und das Niedergericht an den Bernburger Heinrich von B., der beide vor 1359 dem Niedern Spital von Bern vergabte. Zur Vereinfachung der Verwaltung inkorporierte Bern dem Niedergericht B. nach 1422 Landiswil, später auch Obergoldbach, und unterstellte das erweiterte Niedergericht B. 1529 der Landvogtei Signau. B. hatte einst vermutlich zum Landgericht Ranflüh im Emmental gehört und wurde nach 1408 dem Landgericht Konolfingen, 1798 dem helvet. Distrikt Grosshöchstetten, 1803 dem heutigen Amtsbezirk zugeteilt. Das alte Kirchspiel (Leutpriester 1236 erw., vermutlich Petruspatrozinium, Neubau von 1521 anstelle der Vorgängerkirche des 11. Jh.) umfasste ausser B. und Arni die Höfe im Rotkraut (Gem. Signau, bis 1542), Äschau und Horben (Gem. Eggiwil, um 1372) sowie die Dörfer Landiswil und Obergoldbach, die seit 1943 eine Filialkirche in Landiswil haben. 1533 teilten acht Dörfer, darunter B., Enetbach, Roth und Baldistal (heute alle Gem. B.), ihre gemeinsame Allmend; 1593 und 1609 teilte B. seinen Anteil auf die einzelnen Höfe auf. B. und Enetbach gaben sich 1598 eine Gemeindeordnung. Zum Getreidebau kam im 18. Jh. der Grasbau, da sich das Heu im Winter an die Küher verkaufen liess. Im 19. Jh. gewann die Viehwirtschaft Vorrang: 1828 entstand die erste Talkäserei in Enetbach, 1923 die Iffigenalp-Genossenschaft zur Viehsömmerung. Der Anschluss an die Burgdorf-Thun-Bahn 1899 brachte den industriellen Aufschwung: u.a. Stahlmöbelfabrik Bigla (1904), Leder- (1908) und Webereiartikelfabrik (1941). 53% der in B. Erwerbstätigen waren 1990 im 2. Sektor tätig; der Wegpendleranteil, v.a. in die Region Bern, nimmt zu. Autokurse erschliessen B. von Lützelflüh aus. B. öffnete seine Sekundarschule (seit 1878) und den Krankenpflegeverband den Nachbarorten.


Literatur
– S. Erb, Ortsgesch. von B., 1938
– R. Bühlmann et al., Kirche B., 1987
– A.-M. Dubler, «Adels- und Stadtherrschaft im Emmental des SpätMA», in AHVB 75, 1992, 27-30

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler