Neuseeland

 © 2007 HLS und Kohli Kartografie, Bern.<br>
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Seit mehr als tausend Jahren besiedeln die Maori das Land, in deren Sprache es Aotearoa heisst. 1642 wurde N. von den Holländern entdeckt und 1769-70 von James Cook zum ersten Mal betreten. Ab 1840 stand es unter brit. Herrschaft, 1907 wurde es ein Dominion und 1931 im Rahmen des Commonwealth für unabhängig erklärt. Die Schweiz eröffnete 1937 ein Honorarkonsulat in Wellington, das 1959 in ein Generalkonsulat und 1963 in eine Botschaft umgewandelt wurde. Seit Anfang des 21. Jh. verfügt die Schweiz ferner in Auckland über ein Konsulat. Der auch in Bern akkreditierte neuseeländ. Botschafter in Berlin vertritt die Interessen seines Landes in der Schweiz. 1962 wurde in Genf ein Generalkonsulat eröffnet.

Der Berner John Webber, der als Maler und Illustrator an der dritten Pazifikexpedition von James Cook (1776-79) teilnahm, besuchte N. wahrscheinlich als erster Schweizer. Unter den europ. Emigranten, die sich ab 1850 in N. niederliessen, befanden sich auch Schweizer: Auf einer Liste von Personen, die 1855 landwirtschaftl. Güter zum Bewirtschaften suchten, stehen zwei Uhrmacher und ein Bijoutier. Im folgenden Jahrzehnt begaben sich weitere Landsleute auf den Archipel, um dort v.a. auf der Südinsel nach Gold zu suchen. Einer der Goldgräber war Jakob Lauper (1815-96), nach dem ein Fluss (Louper Stream) und ein Berg (Louper Peak) benannt sind, ein anderer Felix Hunger (1837-1918), der in N. eingebürgert wurde und als erster Schweizer 1870 ein landwirtschaftl. Gut in Taranaki erwarb. Während eines kurzen Aufenthalts in seinem Heimatdorf Nufenen 1874 ermunterte Hunger mehr als zwanzig Personen, ihm nach N. zu folgen. In den 1880er Jahren wiederholte er seinen Appell mehrmals und hatte damit noch mehr Erfolg. Ein weiterer Schweizer Emigrant, Jakob Meier, eröffnete ebenfalls in den 1880er Jahren in Wellington einen Friseursalon, der von wichtigen Persönlichkeiten aus der Politik besucht wurde. Die 1935 gegr. Swiss Society of New Zealand diente dem Informationsaustausch, bot den Emigranten Hilfe an und gab die Monatszeitschrift "Helvetia" heraus. Der neuseeländ. Volkszählung von 1945 zufolge lebten damals 599 Schweizer in N. Ihre Zahl nahm nach dem Krieg stetig zu. 2007 waren 7'076 Schweizer ansässig, die meisten in der Gegend von Auckland auf der Nordinsel. 70% von ihnen besassen eine doppelte Staatsbürgerschaft. Hingegen hielten sich 2007 nur 780 Neuseeländer in der Schweiz auf.

Das erste Abkommen zwischen der Schweiz und N. war der von Grossbritannien unterzeichnete Freundschafts-, Handels- und Niederlassungsvertrag von 1855, der 1914 durch eine Zusatzvereinbarung ergänzt wurde. Der Auslieferungsvertrag von 1880 wurde ebenfalls von Grossbritannien unterzeichnet und 1934 durch weitere Bestimmungen vervollständigt. Es folgten 1937 eine Vereinbarung über Zivilverfahren, 1938, 1957 und 1979 drei Wirtschaftsabkommen, 1980 ein Vertrag über Doppelbesteuerung, 1984 ein Abkommen über den Austausch von Praktikanten, 1995 eine gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit betreffend die Antarktis und 1999 ein Luftverkehrsabkommen.

Die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und N. sind v.a. wegen der grossen Entfernung und dem kleinen, aufgesplitterten Markt N.s bescheiden. Die Handelsbilanz fällt für die Schweiz in der Regel positiv aus. 1990 beliefen sich die Schweizer Exporte nach N. auf 149 Mio. Fr. und die Importe auf 49 Mio. Fr. 2007 stiegen die Exporte auf 224 Mio. Fr., den höchsten zwischen 1990 und 2007 erreichten Betrag, während die Importe 97 Mio. Fr. betrugen. Der bilaterale Austausch entspricht nur einem kleinen Teil des Aussenhandelsvolumens der beiden Länder (1990-2007 durchschnittlich 0,1% des Gesamtvolumens). Bei den Schweizer Exporten nach N. handelt es sich hauptsächlich um chem. und pharmazeut. Produkte (2007 mehr als 50% des Gesamtbetrags), an zweiter Stelle stehen Maschinen und Metallwaren, gefolgt von Präzisionsinstrumenten und -apparaten. Die Importe bestehen v.a. aus landwirtschaftl. Produkten (2007 85%). Gute Infrastruktur, qualifizierte Arbeitskräfte und das hohe Niveau der Forschung in N. ziehen ausländ. Investoren an. Zu den grössten unter ihnen gehörten 2007 die Schweizer Firmen mit 202 Mio. Fr. Direktinvestitionen. Besonders stark engagieren sich die Unternehmen der pharmazeut. Industrie (Roche, Novartis), die neben anderen multinationalen Schweizer Firmen wie Nestlé, Danzas, Panalpina, Société générale de surveillance, UBS und Swiss Re sowie Schindler und Asea Brown Boveri (Maschinenindustrie) in N. tätig sind. 2007 beschäftigten die Schweizer Firmen 4'316 Personen. Trotz gemeinsamer Interessen sind Kontakte zwischen Regierungsmitgliedern beider Länder und offizielle Besuche selten. 1980 reiste der neuseeländ. Premierminister Robert Muldoon in die Schweiz. Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz stattete N. 1988, Staatssekr. Franz Blankart 1994 und Bundesrat Pascal Couchepin 2006 einen Besuch ab.

Im kulturellen Bereich vermittelten v.a. die Aktivitäten des Bundes bzw. der Pro Helvetia ein modernes Bild der Schweiz. Der Sieg des Alinghi-Teams an der Segelregatta America's Cup im März 2003 in Auckland weckte ein gewisses Interesse für die Schweiz, ihre polit. Institutionen und typ. Produkte. Die Schweizer erhielten ihrerseits dank in N. gedrehten Filmen wie "Der Herr der Ringe" (2001-03), "Whale Rider" (2002) oder "The Piano" (1993) Einblick in die Vielfalt der neuseeländ. Landschaft und die Kultur der Maori. 2001 wurde N. von mehr als 14'000 Schweizer Touristen besucht. Eine Form der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern entstand auch im Bereich Umweltschutz, insbesondere als die Schweiz die Forderungen N.s an die Internat. Walfangkommission unterstützte.


Archive
– BAR
– EDA, Dok.
Literatur
– I. Weber-de Candolle, The first Swiss in New-Zealand, 1967
Les Fribourgeois sur la planète - Die Freiburger in aller Welt, Ausstellungskat. Freiburg, 1987, 71-80

Autorin/Autor: Dario Gerardi / BE