23/08/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Kongo (Demokratische Republik)

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einer Infografik illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Die Kolonialpolitik des belg. Königs in K. (Belgien) unterstützten Schweizer Persönlichkeiten wie Gustave Moynier ab 1876 aktiv. 1889 schloss die Schweiz einen Freundschafts-, Niederlassungs- und Handelsvertrag mit dem Unabhängigen Kongostaat, der damals unter persönl. Oberhoheit des belg. Königs stand. Während sich Schweizer Offiziere, Verwaltungsleute und Händler an der belg. Kolonialherrschaft beteiligten, stellten sich vorab ref. und westschweiz. Intellektuelle auf die Seite der Einheimischen und gründeten 1908 die Société suisse de secours aux esclaves africains unter der Leitung von René Claparède. Diese gab viele gegen die Kolonialisten gerichtete Schriften heraus. In der Zwischenkriegszeit und nach 1945 erlangten die Wirtschafts- und Finanzbeziehungen mit Belgisch-K. eine wichtige Bedeutung für die Beziehungen der Schweiz mit Übersee. 1956-65 förderte eine Agentur der Schweiz. Zentrale für Handelsförderung die Beziehungen zum südl. Afrika. Das 1928 eröffnete Konsulat in Léopoldville (heute Kinshasa) wurde 1958 in ein Generalkonsulat und 1962 in eine Botschaft umgewandelt. Schweizer Firmen verkauften techn. Anlagen, chem. Produkte, Textilien und Uhren oder führten Bau- und Umbauarbeiten durch. Umgekehrt bezog die Schweiz Kupfer, das via Belgien importiert wurde, Zink, Aluminium, Kaffee und Tropenholz. Der Bundesrat beschloss am 27.5.1960, die Demokrat. Republik K. anzuerkennen. Als deren Unabhängigkeitserklärung vom 30. Juni zu Wirren führte, organisierte er die Evakuierung von 94 Schweizern und stellte der UNO und anderen internat. Organisationen finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung. 78 Schweizer sorgten schliesslich für techn., medizin. und administrative Unterstützung. Ein bilaterales Abkommen von 1980 sah eine teilweise Abfindung für die in den 1960er und 70er Jahren geschädigten Schweizer vor. Zusammen mit den ref. Kirchen wurde ab 1960 techn. Hilfe (Bildung, Gesundheit, Stipendien) gewährleistet. 1972 unterzeichnete die Schweiz mit K. zwei Handels- und Investitionsschutzabkommen, mit deren Verhandlungen man 1965 begonnen hatte. Die Entwicklung des Landes, das 1971-97 Zaire hiess, verhinderte jedoch die Umsetzung der damals lancierten Projekte. Die Zahl der in K. lebenden Schweizer betrug 1902 19 Personen, 1907 97, 1931 170, 1949 415, Ende 1959 1'215, Ende 1962 760, 1986 432 und 2000 160. Jene der aus K. stammenden Staatsangehörigen in der Schweiz stieg von 85 Personen im Jahr 1960 auf 530 1985, 1'660 1990 und 2'815 2000. Allerdings behinderte die schweiz. Einwanderungspolitik deren Integration: Asylgesuche wurden selten gutgeheissen und die Ausschaffungen führten zu Polemiken, inbesondere 1985 und 1988. Die Geldströme zwischen den beiden Staaten fliessen multilateral (Club de Paris, Afrikan. Entwicklungsbank) und bilateral (1980-89 vier Abkommen zur Neueinstufung der Schulden von 58 Mio. Fr.). Der 1965-97 regierende Präs. Mobutu unterhielt persönlich enge Beziehungen zur Schweiz, auch wenn sein Regime hier mehr und mehr in die Kritik geriet. Die 1997 bei der Machtübernahme durch Laurent-Désiré Kabila vom Bundesrat als Vorsichtsmassnahme blockierten Guthaben Mobutus in der Schweiz blieben auch 2006 eingefroren.


Archive
– EDA, Dok.
Literatur
– M.-C. Berguer, Les relations entre l'Etat indépendant du Congo et la Suisse (1876-1908), Liz. Brüssel, 1957/1958
– L. Kaufmann, Guillaume Tell au Congo: l'expansion suisse au Congo belge (1930-1960), Liz. Lausanne, 1991

Autorin/Autor: Marc Perrenoud / CN