Nigeria

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Nach der Anerkennung N.s durch den Bundesrat am 1.10.1960 nahm die Schweiz diplomat. Beziehungen auf und eröffnete 1961 in Lagos eine Botschaft. Die Zahl der Schweizer in N. stieg von einigen Dutzend vor 1945 auf über 300 1960 und ca. 800 1977, sank danach aber wieder (2005 242). Seine geogr. Lage machte N. für international tätige schweiz. Transport- und Handelsgesellschaften, später auch für andere Industriezweige interessant, v.a. die Nahrungsmittel-, Chemie-, Textil- und Aluminiumindustrie sowie die Elektrizitätswirtschaft. 1970 wurden die schweiz. Investitionen auf ca. 100 Mio. Fr. geschätzt. 2005 lebten 1'356 Nigerianer in der Schweiz und 242 Schweizer in N.

Der Bürgerkrieg, der 1967 nach der Abspaltung der Provinz Biafra ausbrach, bereitete der Schweiz polit. Schwierigkeiten. Getreu der Politik der Neutralität, Disponibilität und Diskretion lehnte es der Bundesrat ab, sich in die inneren Angelegenheiten N.s einzumischen, und beschränkte sich auf einige wenig wirksame diplomat. Schritte. Eine von 5'000 Personen unterzeichnete Petition für die Anerkennung Biafras wurde vom Bundesrat abgelehnt. Die Schweizer Bevölkerung reagierte mit grosser Anteilnahme auf die schreckl. Hungersnot, die der Konflikt ausgelöst hatte, und spendete karitativen und religiösen Organisationen bedeutende Summen. Das IKRK startete mit finanzieller Unterstützung der Schweiz seine grösste Hilfsaktion seit 1945. Der Bundesrat stellte dem IKRK im Juli 1968 August R. Lindt, Schweizer Botschafter in Moskau, als Generalkommissar zur Verfügung. Lindt trat im Juni 1969 zurück, da er sich durch die Situation vor Ort an der Erfüllung seines Auftrags gehindert fühlte, was im IKRK zu einer ernsthaften Krise führte. Die Firma Oerlikon-Bührle verkaufte Waffen nach N., die gemäss einigen Quellen auch gegen Schweizer in humanitärer Mission zum Einsatz kamen, und wurde wegen Verletzung des Waffenausfuhrverbots der Bundesbehörden angeklagt. Trotz der mit diesem Konflikt verbundenen Spannungen und einiger Handelsstreitigkeiten nahmen die bilateralen Beziehungen weiter zu. N. entwickelte sich für die Schweiz zu einem wichtigen Markt in Afrika, v.a. für die Rüstungsindustrie, da die Bundesbehörden ab Dez. 1980 die Waffenausfuhr wieder erlaubten. Seit den 1970er Jahren ist N. neben Algerien, Libyen, Saudiarabien, Tunesien und dem Iran einer der wichtigsten Erdöllieferanten der Schweiz. Mit Südafrika, Liberia und Algerien zählt N. zu den afrikan. Ländern mit den bedeutendsten Finanzbeziehungen zu Schweizer Banken. Die Verschuldung N.s bewog die Schweiz, am Club de Paris teilzunehmen und 1987 sowie 1989 zwei bilaterale Umschuldungsabkommen zu unterzeichnen. Auch wenn N. kein Schwerpunktland der schweiz. Entwicklungshilfe ist, finanziert die Schweiz Werkstätten und Stipendien für die Berufsausbildung sowie die Landwirtschaft.


Archive
– EDA, Dok.
Literatur
– T. Hentsch, Face au blocus: la Croix-Rouge internationale dans le Nigéria en guerre (1967-1970), 1973
– A.R. Lindt, Generale hungern nie: Gesch. einer Hilfsaktion in Afrika, 1983

Autorin/Autor: Marc Perrenoud / AHB