Mosambik

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Ab 1887 war die Schweiz mit der ref. Mission Romande (später Südafrika-Mission) in der im 16. Jh. entstandenen portugies. Kolonie stark präsent. Die Missionare betätigten sich in M. im religiösen, schul., medizin., landwirtschaftl. und sozialen Bereich und kämpften gegen den Alkoholismus. Die portugies. Behörden warfen ihnen mehrfach vor, sie würden die Autorität der Kolonialmacht und den Einfluss des Katholizismus untergraben. Missionare wie Paul Berthoud, Henri Berthoud, Arthur Grandjean (1860-1930) und Henri-Alexandre Junod legten linguist. und ethnolog. Arbeiten über M. vor.

1890 musste die Schweiz in einem Streit zwischen Grossbritannien und den USA einerseits und Portugal andererseits einen Schiedsspruch fällen, weil Portugal die Eisenbahn von Transvaal an den Ozean (Delagoabahn) besetzte. Erst 1900 gelangte das Schiedsgericht zu einem Urteil. Die lange Dauer bis zum Entscheid wurde heftig kritisiert und erschwerte vorübergehend die Vermittlungstätigkeit der Schweiz bei internat. Konflikten. Versch. Schweizer waren mit ihren Unternehmen im Handel und in der Landwirtschaft aktiv, besonders erfolgreich die 1899 gegr. Firma Boror - sie bewirtschaftete in den 1960er Jahren Weideland und die grösste Kokosplantage der Welt - und eine 1922 in Angoche gegr. Gesellschaft, die ein Drittel des von M. exportierten Sisals produzierte. Die positive Entwicklung der Handelsbeziehungen veranlasste die Schweiz, 1922 ein Konsulat in M. zu errichten. 1925 lebten über 150 Schweizer in M. Deren Zahl stieg bis 1962 auf 218 Personen, sank dann 1978, v.a. nach der Unabhängigkeitserklärung, auf 60 und betrug 2005 129.

Eduardo Mondlane (1920-69), der Begründer der Unabhängigkeitsbewegung Frelimo (1962), deren marxist. Ausrichtung die Geschäftskreise beunruhigte, sowie mehrere seiner Mitstreiter waren ehem. Schüler der Westschweizer Missionare. Am 30.10.1974 anerkannte der Bundesrat die Unabhängigkeit M.s, die am 25.6.1975 offiziell proklamiert wurde. 1976 nahmen die beiden Staaten diplomat. Beziehungen auf und 1977 errichtete die Schweiz die Botschaft in Maputo. Die neue Regierung verstaatlichte auch Schweizer Unternehmen, deren Wert sich 1977 nach Schätzungen auf 80 Mio. Fr. belief, sowie die Spitäler und Schulen des Département missionnaire des Eglises protestantes de Suisse romande. 1979 kam es zum Abschluss eines Abkommens über Handel und wirtschaftl. Zusammenarbeit. Seither gehört M. zu den Schwerpunktländern der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit, das 2007 mit 26,8 Mio. Fr. unterstützt wurde. Zu Beginn des 21. Jh. erhielt M. Schweizer Hilfe in den Bereichen Gesundheit, wirtschaftl. Entwicklung und Good Governance. Private Hilfswerke wie Helvetas und das Schweiz. Arbeiterhilfswerk beteiligen sich seit Jahrzehnten an Projekten in den Bereichen Landwirtschaft, techn. Ausbildung, Gesundheit, Hygiene und Trinkwasserversorgung.


Archive
– EDA, Dok.
Literatur
– B. de Fischer, Dialogue luso-suisse, 1960
– G.J. van Butselaar, Africains, missionnaires et colonialistes: les origines de l'Eglise presbytérienne du Mozambique (Mission suisse) 1880-1896, 1984
– C. Biber, Cent ans au Mozambique, 1987
– C. Rohrbasser, L'œuvre sociale de la Mission suisse au Mozambique, Liz. Lausanne, 1991
– A. Linder, Die Schweizer in M. 1721-1990, 1998

Autorin/Autor: Marc Perrenoud / AHB