Weier

Die jungsteinzeitl. Moorsiedlung W. liegt in einer flachen Talmulde südlich von Thayngen (SH) und wurde anlässlich der ersten Melioration 1914 entdeckt. 1914-21 fanden unter Karl Albert Sulzberger, 1950-63 durch Walter Ulrich Guyan Teilausgrabungen statt. Die Siedlung lag einst auf einer Landzunge zwischen zwei kleineren, heute verlandeten Seen. Nachgewiesen sind bis jetzt drei Siedlungsschichten (W. I-III), die durch schmale Torfbänder und im Wasser abgelagerte Schichten (Gyttja) voneinander getrennt sind. Aus Trockeneisbohrungen ergab sich ein Siedlungsumfang von etwa 4'500 m2. Zu Beginn des 21. Jh. ist das Gelände von Austrocknung bedroht. Die Zahl der nachgewiesenen Häuser variiert je nach Schicht zwischen vier und neun, ebenso die Bauweise (Pfosten-, Ständer- und Stelzbauten). Einzelne neben den Wohnhäusern liegende Bauten wurden als Ställe und Speicher gedeutet. Stets belegt ist ein Zaun, in Schicht III auch Bohlenwege. Bei den Ausgrabungen in den 1960er Jahren wurde erstmals für die Schweiz die Dendrochronologie angewandt, deren Daten allerdings später zu korrigieren waren. Aufgrund der analysierten Bauhölzer lässt sich die zur Pfyner Kultur gehörende Siedlung auf 3800-3600 v.Chr. datieren. Die Keramik, u.a. Backteller und Tulpenbecher, zeigt Einflüsse der süddt. Michelsberger Kultur. Zu den weiteren Funden zählen gut erhaltene Holzobjekte, u.a. ein kompletter Bogen und Pfeil mit Silexspitze, eine Kupferbeilklinge, Gürtelhaken aus Geweih, zwei gestielte Pfeilspitzen aus oberital. Monti-Lessini-Feuerstein sowie aus Lehm modellierte Frauenbrüste, die wohl als Wandbestandteile eines Kultgebäudes zu deuten sind. 2011 wurde die Siedlung ins Inventar des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen.


Literatur
– D. Gerbothé et al., «Thayngen-SH W.: Trockeneissondierung 1989», in JbSGUF 73, 1990, 167-175 (mit Bibl.)
– A. de Capitani, G.F. Schaeren, «Zu den dendrochronolog. Daten von Thayngen SH-W.», in JbSGUF 87, 2004, 278-281 (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Markus Höneisen