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Ringgenberg

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Interlaken, Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli, am rechten Brienzerseeufer nordöstlich von Interlaken gelegen. Umfasst die Dörfer R. und seit 1850 Goldswil sowie Wald und Alpen am Harder und Graggen. 1240 Rinchenwile, später nach der Burg R. benannt. 1764 449 Einw.; 1850 1'005; 1900 1'320; 1950 1'763; 2000 2'554. Vermutlich neolith. Steinkistengräber mit Hockerbestattung (Dorf; ehem. Burgturm der Schadburg), Steinplattengräber (Goldswil-Mätteli). Auf dem Gemeindegebiet standen zwei Burgen: Die Schadburg, eine ma., urkundlich nicht belegte Burgstelle, und die vermutlich ab Ende des 12. Jh. in Etappen erbaute, 1240 erstmals erw. Burg R. Beide sind als Ruine erhalten, jene der Burg R. wurde 1928, 1946-49 und 2006-08 restauriert.

Das Gebiet gehörte im 12. und 13. Jh. zur alpinen Herrschaft der Frh. von Brienz und Raron, die vom Wallis bis nach Uri reichte. Nach der Herrschaftsteilung verlegte die Oberländer Linie ihren Sitz erst nach Brienz und um 1231 zum Dorf Ringgenwil und bezog die Burg R. auf dem - wie Feuerstelle und Keramik bezeugen - schon in der Spätbronzezeit belegten Felsgrat. Während hundert Jahren festigten die von R. ihre Herrschaft, teils im Streit mit dem Kloster Interlaken. Kern der Herrschaft blieb die Grund- und volle Gerichtsherrschaft (Kirchspiele R. und Brienz) am rechten Ufer und oberen Seeende bis zum Brünig als Reichslehen. Finanzielle Not trieb die Frh. von R. 1351 dazu, die Burg und den westl. Teil der Herrschaft an das Kloster Interlaken zu verpfänden. Beim Aufstand der von Unterwalden ermunterten Untertanen ging die Burg 1381 in Flammen auf (Ringgenberger Handel). Ein eidg. Schiedsurteil stellte die Herrschaft wieder her, die sich 1386 zwar das Burgrecht mit Bern sicherte, jedoch über keine Mittel zum Aufbau der Burg verfügte. 1411 und 1439 wurde R. an Interlaken verkauft. 1445-57 war R. vorübergehend bernisch, nach der Säkularisation des Klosters 1528 kam es definitiv an Bern und wurde, aufgeteilt in die Niedergerichte R. und Brienz, in der Landvogtei Interlaken verwaltet. Die für den unteren Herrschaftsteil zuständige Kirche lag in Goldswil. Auf Wunsch der Kirchgemeinde, die R., Goldswil und Niederried umfasste, liess Bern 1670-71 eine Kirche in der Burgruine R. bauen, wobei Mauern und Bergfried (Frontturm) integriert wurden.

Goldswil und R., die teilweise Eigengut der Freiherren von R. waren, hatten seit dem SpätMA gemeinsame Allmenden. Im 19. Jh. traten zur Land- und Alpwirtschaft neu Holzschnitzerei, Intarsienkunst und Drechslerei hinzu. Dank guter Verkehrserschliessung - 1848 wurde die Seestrasse bis R., 1888 die Schiffstation und 1916 die Brienzerseebahn gebaut - entwickelte sich das nahe bei Interlaken gelegene R. ab 1870 zum Kurort. Zu Beginn des 21. Jh. boten Sommertourismus (Hotels, Naturstrandbad Burgseeli, Campingplätze), Kurbetrieb und Gewerbe (Bau- und Baunebengewerbe, Steinbruch) die meisten Arbeitsplätze, während Land- und Alpwirtschaft (Alpen Tschingelfeld und Lombach) v.a. im Nebenerwerb betrieben wurde. Wichtigste Arbeitgeber für Wegpendler waren die Bundesbetriebe im Raum Interlaken.


Quellen
SSRQ BE II/6
Literatur
– C. Frutiger, Burgruine R., [1983]
– G. Ritschard, R. + Goldswil, 1990
– P. Bannwart, Bauinventar der Gem. R., 2005

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler