Korea

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Das Königreich K., das bis 1895 ein Vasallenstaat Chinas war, hatte sich 1876 unter dem Druck Japans gegenüber dem Ausland öffnen müssen. 1893-94 schlug der Bundesrat, wie die Grossmächte zuvor, den Abschluss eines Handelsabkommens vor, doch der Vertrag wurde wegen des Chines.-Japan. Kriegs von 1894-95 und des Siegs von Japan von (welches das sog. Land der Morgenstille 1910 annektierte) nicht unterzeichnet; die Kontakte blieben eng beschränkt. In der 1. Hälfte des 20. Jh. liessen sich einige Dutzend Schweizer, insbesondere Missionare, in K. nieder, das bis zum Ende des 2. Weltkriegs japanisch blieb.

Der Koreakrieg 1950-53 bot der Schweiz die Gelegenheit, ihre Guten Dienste zur Verfügung zu stellen. Nachdem der Bundesrat schon 1951 von den Vereinigten Staaten angefragt worden war, willigte er 1953, nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Panmunjom im Juli, in die Teilnahme von Schweizer Offizieren und Diplomaten an zwei neutralen Kommissionen ein, deren eine mit der Heimschaffung der Kriegsgefangenen (1953-54), die andere mit der Überwachung des Waffenstillstandsabkommens (Neutral Nations Supervisory Commission, NNSC) beauftragt war. Die Schweiz und Schweden nahmen auf Vorschlag der westl. Länder, Polen und die Tschechoslowakei auf jenen der kommunist. Staaten hin teil. Trotz der in der Schweiz ausgelösten Debatte und der tatsächl. Begrenzung des Einsatzes trug dieser zur Aufwertung der nach dem 2. Weltkrieg stark kritisierten Neutralität bei. Die Schweizer Mission, 1953 96 Mann stark (davon zwei Drittel Offiziere), ging 1956 auf 12, 1983 auf sechs Mitglieder zurück. Nach 1995 verblieben nur noch die Schweizer und die Schweden im Land; sie waren nur noch von Südkorea anerkannt, da Nordkorea 1993 die tschech. und 1995 die poln. Mission ihrer Funktion enthoben und die Verbindungen zur NNSC abgebrochen hatte.

1 - Südkorea

Südkorea wurde 1962 durch den Bundesrat anerkannt; 1964 nahm er mit dem Land diplomat. Beziehungen auf und eröffnete 1965 in Seoul ein Konsulat, das 1969 in eine Botschaft umgewandelt wurde. Mehrere bilalerale Abkommen wurden geschlossen: 1971 Förderung und Schutz der Investitionen, 1975 Luftverkehr, 1977 Marken- und Patentschutz, 1980 Doppelbesteuerung. Brown Boveri, Nestlé, Ciba-Geigy, Sandoz und andere Schweizer Firmen gingen Kooperationen mit korean. Partnern ein (Infrastrukturbau, Zement, Chemie, Maschinen, Uhren). 1986 wurde die Schweiz zum viertgrössten Investor in Südkorea. Die Schweizer Bankiers und Industriellen beklagten sich allerdings über Diskriminierungen im Vergleich zu ihren japan. oder amerikan. Konkurrenten sowie über Fälschungen im Uhren- und Textilsektor. Gefördert durch öffentl. und Bankkredite sowie durch offizielle und private Gespräche, verstärkte sich die schon beachtl. Intensität des Austauschs in den 1980er Jahren, trotz interner polit. Wirren und der Krise, die 1983 durch den Abschuss eines südkorean. Zivilflugzeugs durch die Sowjets ausgelöst wurde (was einen öffentl. Protest des Bundesrats nach sich zog). Die Zahl der in Südkorea niedergelassenen Schweizer stieg von etwa 20 1960 auf über 100 1980 und über 200 1990; im Jahr 2000 waren es 134. Ab 1986 lebten rund 500 Südkoreaner in der Schweiz. Im Jahr 2000 waren es 982. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey erstattete Südkorea 2003 als erste Aussenministerin der Schweiz einen offiziellen Arbeitsbesuch.

Autorin/Autor: Marc Perrenoud / AHB

2 - Nordkorea

Nach 1953 beschränkten sich die Kontakte zwischen Nordkorea und der Schweiz auf die Rolle, die die Eidgenossenschaft bei der Beobachtung des Waffenstillstands spielte. Sporadisch ab 1967 geführte bilaterale Gespräche führten im Dez. 1974 zur Aufnahme diplomat. Beziehungen (von der Schweizer Botschaft in Peking betreut) und zu Handelsgeschäften, die teilweise durch die Exportrisikogarantie abgedeckt waren. Nordkorea zog Industrielle aus der Chemie-, der Maschinen- und der Uhrenbranche an, aber seine Schulden gegenüber schweiz. Industrie- und Finanzgesellschaften überstiegen schon 1977 die Summe von 110 Mio. Franken. Zudem setzten auch die polit. Divergenzen den lockeren bilateralen Beziehungen Grenzen. Ab 1995 bekam Nordkorea internat. humanitäre Hilfe zur Linderung der Not infolge schlechter Ernten; zu diesem Zeitpunkt betrug der Schweizer Anteil, der u.a. in Form von Lebensmittelhilfe und Dünger erfolgte, 10%.

Autorin/Autor: Marc Perrenoud / AHB

Quellen und Literatur

Archive
– EDA, Dok.
Quellen
DDS 4, 267-270, 303-307, 318-319
Literatur
HbSG, 1183, 1214, 1221, 1231
– U.A. Müller-Lotska, Schweizer K.-Mission im Wandel der Zeit, 1953-97, 1997
50 Jahre Schweizer Militärdelegation in der NNSC, Panmunjom, K., 1953-2003, 2003 (Beil. ASMZ, 2003, Nr. 9)

Autorin/Autor: Marc Perrenoud / AHB