Hérens

Bez. VS, der sich beidseits des Rhonetals vom Kt. Bern im Norden bis zur ital. Grenze erstreckt. Auf der linken Seite der Rhone umfasst er das Val d'H. und das Val d' Hérémence, auf der rechten die Gem. Ayent. Hauptort ist Vex. 1195 Eruens, dt. früher Ering. 1850 5'862 Einw.; 2000 9'029.

Das seit dem 10. Jh. besiedelte Val d'H. entvölkerte sich, vermutlich wegen der Pest, im 15. Jh. stark. 1260 trat es Peter II. von Savoyen an den Bf. Heinrich von Raron ab. Das Tal wurde darauf Zermatter Siedlungsgebiet mit zahlreichen deutschsprachigen Haushalten, blieb aber bis zum Ende des 16. Jh. auch in Kontakt mit Prarayé am oberen Ende des Valpellinetals. Dort wurden in einem Vertrag von 1450 die Wasserrechte geregelt. Nach der Eroberung des Unterwallis 1476 war das Val d'H. dem Landvogt von Saint-Maurice unterstellt. Mit der Eingliederung ins Sittener Vizedominat 1560 wurde es, mit Ausnahme des Val d'Hérémence, das Untertanengebiet der sieben Zenden war, zu einem Drittel des Zenden Sitten. 1798 bildeten die beiden Täler den Distrikt Hérémence, den die Republik Wallis 1802 in einen Zenden und das franz. Empire 1810 in einen Kanton umwandelte. Letzterer gehörte mit Siders und Leuk zum Kreis Sitten. Der 1815 gebildete Zenden H. (ab 1848 Bezirk) erweiterte sich um die Gem. Ayent. Er umfasste auch die Gem. Arbaz und Savièse, bis diese durch die Verfassungsrevision von 1839 dem Zenden Sitten zugeteilt wurden. Die hauptsächlich auf die Zucht der Eringer Viehrasse ausgerichtete Landwirtschaft stellte lange Zeit die wichtigste Einnahmequelle des Tals dar. Heimarbeit (Spinnerei und Stickerei) versorgte den Exporthandel mit Wolltuch, Teppichen und Strickwolle. 1570 wurden auch Kupferminen betrieben. Um 1860 setzte mit der Eröffnung von Hotels in Evolène und Arolla der Tourismus ein, für den die Moränenpyramiden von Euseigne (Gem. Hérémence) eine Hauptattraktion darstellen. Zu Beginn des 20. Jh. wurde an versch. Orten Speckstein abgebaut.


Literatur
– P. Budry, «Val d'H.», in Ann. val., 1944, 278 f.
– C. Raemy-Berthod, Les sanctuaires de Nax, Vernamiège, Mase et Saint-Martin (Val d'H.), 1997

Autorin/Autor: Rachel Siggen-Bruttin / AHB