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Israel

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Das 1516 vom Osman. Reich eroberte Palästina blieb bis zum Ende des 1. Weltkriegs eine arab. Provinz. 1920 wurde das Gebiet unter brit. Mandat gestellt. Die Mandatsmacht sah sich sowohl mit dem arab. Nationalismus als auch mit dem Zionismus konfrontiert. Im Nov. 1947 entschied die Generalversammlung der Vereinten Nationen, das Land in einen arab. und einen jüd. Staat aufzuteilen. Am 14.5.1948 riefen die Mitglieder des Nationalrats der Juden in Palästina unter dem Vorsitz von David Ben Gurion den unabhängigen Staat I. aus.

16 der 22 Zionistenkongresse fanden in der Schweiz statt (so auch der erste 1897 in Basel), aber vor dem Ende des 2. Weltkriegs unterstützten weder die Mehrheit der Schweizer Juden noch die Bundesbehörden die zionist. Bewegung. Chaim Weizmann, der erste Präs. des zukünftigen Staates I., hielt sich ab 1898 mehrmals in der Schweiz auf und knüpfte dabei viele Kontakte. Während der 1. Hälfte des 20. Jh. fassten international tätige jüd. Organisationen in der Schweiz Fuss. Die unterschiedl. Erinnerungen an die Jahre 1933-45 prägten die bilateralen Beziehungen: Einerseits wurde die Schweiz als Asylland gelobt, andererseits für die sehr restriktive Politik der Bundesbehörden gegenüber den Juden kritisiert. Im Bestreben, die guten Beziehungen mit den arab. Ländern des Nahen Ostens zu erhalten, wartete der Bundesrat den Entscheid anderer Staaten ab, bevor er I. am 28.1.1949 de facto und am 18.3. auch de jure anerkannte. In der Folge wurden mehrere bilaterale Abkommen geschlossen, insbesondere über die Luftverkehrslinien (1951 und 1952), den Handelsverkehr (1956), die Aufhebung der Visumspflicht (1967), die soziale Sicherheit (1984) und die Doppelbesteuerung (2002).

Die Kibbuz-Erfahrung stiess in sozialist. und genossenschaftl. Kreisen auf grosse Sympathie, und Hunderte von jungen Menschen aus der Schweiz verbrachten ab den 1960er Jahren eine gewisse Zeit in einem Kibbuz. Die Rolle der Juden in der Kulturgeschichte begünstigte den künstler., wissenschaftl. und intellektuellen Austausch zwischen den beiden Ländern, welcher sich in Ausstellungen, Konzerten oder Publikationen von Schriftstellern wie Friedrich Dürrenmatt manifestiert. Das 1951 gegr. Schweizer Kinderdorf Kiriath Yearim ist ein Symbol für die interreligiöse Zusammenarbeit. Der Sechstagekrieg von 1967 löste unter den Schweizern eine breite Sympathiewelle für I. aus; ihre eigenen hist. Erfahrungen bewogen sie dazu, sich mit dem Kampf des kleinen, von Feinden umzingelten Staates zu identifizieren. Dieselbe Haltung kam auch 1969-71 während einer militär. Spionnageaffäre zu Gunsten I.s (Alfred Frauenknecht) und während des Jom-Kippur-Kriegs 1973 zum Ausdruck. Die 1957 gegr. Gesellschaft Schweiz-I. besass im Parlament ein solches Gewicht, dass ihr Präs. Pierre Aubert 1975 aus Protest gegen die von der Unesco geäusserte Kritik an I. eine Kürzung der vom Bundesrat für diese UNO-Organisation vorgesehenen Subventionen erreichen konnte.

Die Sympathie schwächte sich aber 1982 infolge der Invasion in den Libanon, der ersten Intifada 1987 und noch mehr nach der zweiten Intifada von 2000 ab. Die diplomat. Beziehungen trübten sich durch die Erklärung Jerusalems zur Hauptstadt I.s 1950 sowie durch die Unterredungen von Vertretern des EDA mit Palästinensern besonders ab 1975. Auch eine 1998 aufgedeckte Spionageaffäre (Mossad-Agenten wurden beim Installieren von Abhörmaterial in einem Wohngebäude überrascht) bewirkte eine gewisse Spannung. Mehrmals betonte der Bundesrat das Recht I.s auf die Wahrung seiner Existenz und seiner Sicherheit in den international anerkannten Grenzen, aber auch das Recht des palästinens. Volkes, seine Zukunft selbst zu bestimmen. Zudem bestand er auf der Einhaltung der Genfer Konventionen, da er namentlich die vierte Konvention (Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegsgebieten) durch die israel. Siedlungen in den besetzten Gebieten für verletzt erachtete. Er unterstützte den 1991 in Madrid eingeleiteten Friedensprozess und trug in verschiedenen multilateralen Bereichen (z.B. internat. Beobachtungsmission in Hebron ab 1997) aktiv dazu bei. Zwischen 2002 und 2005 wurde die militär. Zusammenarbeit mit I., die in den 1970er und 80er Jahren recht eng gewesen war, eingeschränkt. Auf private Initiative hin verabschiedeten am 12.10.2003 israel. und palästinens. Persönlichkeiten einen unter Schweizer Vermittlung erarbeiteten Text, der unter der Bezeichnung Genfer Initiative bekannt wurde und eine detaillierte Lösung für Fragen im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern vorschlug. Das EDA unterstützte dieses Projekt im Rahmen seiner Programme zur zivilen Friedensförderung. Trotz der Vorbehalte der israel. Regierung und der palästinens. Behörden organisierte es am 1.12.2003 die öffentl. Unterzeichnung dieses Dokuments in Genf. Ebenfalls in Genf wurde 2005 unter der Ägide der Schweiz zwischen dem Roten Davidstern und dem palästinens. Roten Halbmond ein Abkommen unterschrieben, das die Anerkennung eines zusätzl. Emblems für die Rotkreuzbewegung regelte.

Die Handels- und Finanzbeziehungen entwickelten sich ab den 1930er Jahren so positiv, dass I. zu einem der bedeutendsten Wirtschaftspartner der Schweiz wurde. In den 1980er Jahren stellten die Exporte nach I. (Maschinen, Uhren, chem. Erzeugnisse, elektron. Geräte) zwischen 1,2 und 1,8% des Gesamtexports der Schweiz dar. Ab 1993 wickelten sich die Handelsbeziehungen im Rahmen des Freihandelsabkommens zwischen I. und der Efta ab. 2003 gingen 1,6% der israel. Exporte (Edelmetalle, Schmuck, pharmazeut. Produkte) in die Schweiz, die ihrerseits 6,2% der israel. Importe stellte. Damit war die Schweiz der drittgrösste Handelspartner I.s nach der Europ. Union und den Vereinigten Staaten. 1991 wiesen die Bilanzen der in der Schweiz niedergelassenen Banken Guthaben und Verpflichtungen von 744 Mio. und 1'884 Mio. Fr. in I. aus, während sich ihre auf Treuhandbasis verwalteten Guthaben und Verpflichtungen auf 13 Mio. bzw. 2'256 Mio. Fr. beliefen. Im Jahr 2000 erreichten die entsprechenden Beträge 1'405 und 5'715 Mio. sowie 587 und 5'208 Mio. Fr.

1927 wurde in Jaffa ein Konsulat eröffnet, das 1942 nach Jerusalem verlegt und 1952 wieder geschlossen wurde. Das 1949 eröffnete Konsulat in Tel Aviv wurde 1951 in eine Gesandtschaft und 1958 in eine Botschaft umgewandelt. Die Zahl der in I. niedergelassenen Schweizer stieg von 70 im Jahr 1930 auf über 240 1939, 470 1953, mehr als 2'000 1975, nahezu 4'000 1986 und 11'570 (davon 9151 Doppelbürger) 2005, womit I. das Land mit der höchsten Anzahl Schweizer in Asien ist. 2005 lebten 1'121 Israelis in der Schweiz.


Archive
– EDA, Dok.
Literatur
– W.E. Rappard, A la mémoire de Chaim Weizmann, 1953
– M. Roy, La reconnaissance d'Israël par la Suisse (1948-1949), Liz. Genf, 1992
– U. Pfenninger, B. Schuler, «Die Schweiz - ein früher Freund I.s?», in Aufstieg und Niedergang des Bilateralismus, hg. von P. Hug, M. Kloter, 1999, 487-512
Politorbis 35, 2004
– C. Späti, Die schweiz. Linke und I., 2006

Autorin/Autor: Marc Perrenoud / AHB