Indonesien

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Als einer der bevölkerungsreichsten und grössten Staaten der Erde umfasst der äquatoriale Inselstaat I. u.a. Kalimantan (Borneo), Sumatra (Aceh), Sulawesi (Celébes), Java und einen Teil der Insel Neuguinea. Die Kolonialisierung I.s setzte 1511 nach der Eroberung Malakkas durch die Portugiesen ein. Nach der Gründung der Vereinigten Ostind. Companie 1602 lösten die Holländer die Portugiesen sukzessive ab. Es gelang ihnen, das Monopol über den indones. Handel zu erzwingen und bis ins 19. Jh. das ganze Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Unter der japan. Besetzung (1942-44) brach die holländ. Kolonialmacht zusammen. 1945 wurde die Republik ausgerufen, 1949 anerkannten die Niederlande die Unabhängigkeit I.s. 1975 annektierte es Osttimor, das portugiesisch geblieben war. Die formelle Unabhängigkeit Osttimors erfolgte nach einer militär. UNO-Intervention im Mai 2002.

Die ersten Schweizer hielten sich ab dem 17. Jh. als Söldner, Forscher und Kaufleute in I. auf. Aus dem 19. Jh. sind zahlreiche Reiseberichte überliefert: Der in holländ. Diensten stehende Josef Jakob Xaver Pfyffer veröffentliche 1829 seine völkerkundl. "Skizzen von der Insel Java", der Naturwissenschaftler Heinrich Zollinger 1850 einen Bericht über die Insel Sumba. Zu Beginn des 20. Jh. betrieben die Basler Paul Benedikt und Fritz Sarasin in I. ethnograf. Forschungen. Die Kultur I.s überragend dargestellt hat der Luzerner Renward Brandstetter, der Untersuchungen über Sprache, Literatur und die geistige Kultur I.s anstellte.

Bereits im 17. und 18. Jh. liessen sich zahlreiche Schweizer in I. nieder. 1863 wurde in Batavia (heute Jakarta) ein Schweizer Konsulat eröffnet. 1930 lebten 673 Auslandschweizer in I., 1968 waren es nur noch 118, 2005 494 (davon 210 Doppelbürger). Die Mehrzahl der Schweizer lebt heute in oder um Jakarta und ist in einer ausländ. Firma oder in der Hotellerie tätig.

Während des 2. Weltkriegs vertrat die Schweiz die niederländ. Interessen in den von Japan besetzten Gebieten Südostasiens. Die Anerkennung I.s durch die Schweiz erfolgte nach der Verleihung der Unabhängigkeit durch die Niederlande 1949. In Bern wurde 1951 eine indones. Gesandtschaft eröffnet, die Schweiz errichtete 1952 eine Gesandtschaft in Jakarta.

Im Juni 1956 besuchte Staatspräsident und Staatsgründer Achmad Sukarno die Schweiz. Unter seinem Regime erreichten die Beziehungen I.s zur Schweiz und allen anderen westl. Staaten einen Tiefpunkt. Erst der Ausbau des Programms der techn. Hilfe 1971 und der zweite Staatsbesuch eines indones. Staatsoberhaupts 1972, von General Suharto, führten zu einer Verbesserung des Verhältnisses zwischen I. und der Schweiz. Letztere anerkannte die Annexion Osttimors durch I. nicht an. Bis 1997 blieb I. jedoch ein Schwerpunktland der schweiz. Entwicklungszusammenarbeit, die v.a. städt. Projekte und die Förderung der Berufsbildung umfasste. Mehrmals kritisierten Vertreter des Bundesrats und des Parlaments in den 1990er Jahren die Menschenrechtslage in I. und Osttimor. In den 1990er Jahren entwickelte sich I. (v.a. Bali) zunehmend zu einer beliebten Feriendestination für Schweizer Touristen. 2004 hat eine Flutwelle in Aceh (Insel Sumatra) Tausende von Toten und Verletzten gefordert und schwere Schäden angerichtet. Die Schweiz beteiligt sich mit humanitären Projekten am Wiederaufbau der gleichzeitig von einem Bürgerkrieg heimgesuchten Provinz Aceh und unterstützt den Friedensprozess.

1971 schloss die Schweiz mit I. ein erstes Abkommen über die techn. Zusammenarbeit ab, dem 1985 und 1991 weitere folgten. 1974 kam ein Investitionsschutzabkommen und 1979 ein Kreditabkommen zu Stande. Die Handelsbeziehungen mit I. fussen bis heute auf einem Abkommen aus dem Jahr 1954. Die Beziehungen zu I. intensivierten sich v.a. ab den 1990er Jahren. Die Schweiz exportierte 1970 für 31,1 Mio. Fr. Güter nach I., 1995 für 455,1 Mio. Fr. und 2003 noch für 289,4 Mio. Fr. Sie importierte 1970 Waren im Wert von 46,1 Mio. Fr. aus I., 1995 für 116,3 Mio. Fr. und 2003 für 167,1 Mio. Fr. (2001 für 213,8 Mio. Fr.). Als Herkunftsland von Investoren stand die Schweiz Ende 1997 unter den europ. Ländern an vierter, weltweit an achtzehnter Stelle (1,4 Mrd. Dollar).


Archive
– BAR
Quellen
– DDS 16-18
Literatur
– W. Marschall, «Schweizer ethnolog. Forschungen in I.», in Der grosse Archipel, hg. von W. Marschall, 1985, 1-9
– S. Sigerist, Schweizer in Asien, 2001, 248-266

Autorin/Autor: Eric Flury-Dasen