• <b>China</b><br>Bundesrat Willi Ritschard (in der Mitte mit weissem Hemd) posiert im April 1975 mit einer Schweizer Delegation vor der Grossen Mauer. Anlass der Reise war die Eröffnung der ersten direkten Flugverbindung zwischen Zürich und Peking durch die Swissair  © KEYSTONE.

China

 © 2001 HLS und Kohli Kartografie, Bern.
© 2018 HLS

Seit dem 2. Jt. v.Chr. wurde C. von versch. Dynastien regiert. Von 1644 bis 1911 beherrschte die Mandschudynastie das Kaiserreich. Im 19. Jh. kam es zu versch. Zusammenstössen mit europ. Mächten (z.B. Opiumkrieg 1840-42, Boxeraufstand 1899-1900), die C. alle verlor und die zu weit reichenden Konzessionen und zur Öffnung einiger Häfen führten. 1912 wurde C. Republik. 1937 wurde es von Japan angegriffen und bis 1945 teilweise besetzt. Im Bürgerkrieg 1945-49 eroberten die kommunist. Truppen das Festland und errichteten am 1.10.1949 die Volksrepublik C. Der nichtkommunist. Kuomintang-Regierung (Nationale Volkspartei) verblieb nur noch die Insel Taiwan, wo sie 1950 die Republik China (Nationalchina) errichtete. Bereits 1950-51 besetzte C. Tibet. Die Hafenstädte Hongkong und Macao blieben bis 1997 und 1999 Kolonien Grossbritanniens bzw. Portugals.

1 - Die Kontakte zwischen der Schweiz und China bis 1960

1.1 - Politische Beziehungen

Das 19. Jh. war für C. die Epoche kolonialer Expansion der westl. Industrienationen. In deren Gefolge begann in der Schweiz 1858 die Diskussion über ein Handelsabkommen mit C. Da Wirtschaftskreise jedoch wenig Interesse zeigten, traf der Bund keine konkreten Massnahmen. Auch der von Frankreich und Deutschland gewährte konsular. Schutz erschien wirksamer als eine eigene diplomat. oder konsular. Präsenz. Ein im frühen 20. Jh. wieder erwachtes Interesse führte 1912 zur Eröffnung einer Handelsagentur in Schanghai, die aber keine diplomat. oder konsular. Kompetenzen besass und 1914 geschlossen wurde. Bereits 1906 hatte eine chines. Delegation die Schweiz besucht. Nach der Revolution von 1911-12, dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und der Ausrufung der Republik 1912 wartete Bern mit deren Anerkennung (7.10.1913) zu, bis Frankreich und Deutschland diesen Schritt getan hatten.

Während des 1. Weltkriegs litten die unter dt. Schutz stehenden Schweizer Unternehmen unter alliierter Diskriminierung. Die Schweizer Kolonie in C. wurde dafür bestraft, dass sie über keinen eigenen konsular. Schutz verfügte: Dies bewog den Bund, am 13.6.1918 mit C. einen Freundschaftsvertrag zu schliessen. Dieser gewährte der Schweiz die Meistbegünstigung sowie exterritoriale Sonderrechte, u.a. die konsular. Rechtsprechung. Die Schweiz war der letzte Staat, der diese Sonderrechte erhielt, welche die Kolonialmächte schon im Lauf des 19. Jh. erzwungen hatten. C. eröffnete 1919 eine Gesandtschaft in Bern, die Schweiz entsandte 1921 einen Generalkonsul nach Schanghai, der 1932 den diplomat. Rang eines Geschäftsträgers erhielt. Das Generalkonsulat blieb auch während der japan. Besetzung bestehen, schützte die schweiz. Interessen und vertrat zudem diejenigen der USA, Grossbritanniens und der Niederlande.

Ab 1943 veranlassten polit. Erwägungen die ausländ. Mächte, auf ihre Sonderrechte in C. zu verzichten; am 13.3.1946 folgte die Schweiz ihrem Beispiel. 1945 eröffnete sie eine Gesandtschaft in der damaligen Hauptstadt Nanking. Nachdem am 1.10.1949 die Volksrepublik C. ausgerufen worden war, anerkannte die Schweiz als eines der ersten westl. Länder am 17.1.1950 den neuen Staat. Am 14.9.1950 wurden diplomat. Beziehungen aufgenommen, und 1957 erhielt die in Peking eingerichtete Gesandtschaft den Status einer Botschaft.

1953 sagte die Schweiz nach dem Waffenstillstand im Koreakrieg ihre Mitwirkung in den beiden neutralen Überwachungskommissionen zu. Die Tätigkeit der Schweizer Delegationen in diesen Kommissionen verschlechterte vorübergehend die bilateralen Beziehungen. Sie normalisierten sich aber bereits 1954, und in der Folge lobte der chines. Premier Zhou Enlai mehrmals die polit. Rolle der Schweiz. Dank der Genfer Indochina-Konferenz (1954), die Zhou Enlai Gelegenheit gab, mit europ. Staatshäuptern und Regierungschefs zusammenzutreffen, trat C. aus der Isolation heraus. Anlässlich dieser Konferenz stattete er auch Bern einen offiziellen Besuch ab. Die chines. Botschaft in Bern war in den 1950er Jahren eine Plattform für C.s Beziehungen zu Westeuropa.

Autorin/Autor: Michele Coduri, Hans Keller / AZ

1.2 - Die Schweizer Kolonie

Schweizer suchten C. seit dem 17. Jh. auf. Zunächst taten dies allerdings nur einige Jesuiten (u.a. Nicolas Fiva, Ignaz Walter von Sonnenberg, Franz Ludwig Stadlin) sowie Söldner im Dienst der grossen ausländ. Handelskompanien. Gegen Ende des 18. Jh. kamen mit der Ausdehnung des Überseehandels auch Schweizer Uhrmacher und Kaufleute mit den Kompanien und mit diplomat. Missionen nach China. Charles Henri Petitpierre gehörte 1792-95 als techn. Experte der brit. Gesandtschaft unter Lord Macartney, später einer holländ. Gesandtschaft an; andere Schweizer liessen sich zeitweise in Kanton nieder. Von der Mitte des 19. Jh. bis in die 1930er Jahre nahm die Schweizer Präsenz in C. vorab in der Mission und im Handel zu. Letzterer konzentrierte sich auf die offenen Vertragshäfen, insbesondere Schanghai. Hier stieg die Zahl der Schweizer von unter 10 (1859) über 35 (1900) auf 218 (1936). Andere bedeutende Schweizer Kolonien entstanden in Tientsin, Peking und Kanton, das allerdings in der 1. Hälfte des 20. Jh. an Bedeutung verlor. Die Gesamtzahl der schweiz. Staatsangehörigen in C. bewegte sich 1920-40 zwischen 350 (1922) und mehr als 520 (1937).

Der 2. Weltkrieg schränkte die Bewegungsfreiheit der Schweizer Kolonie, die sich sehr zurückhielt, erheblich ein. In Schanghai war sie durch Richard von der Crone im Stadtrat der internat. Niederlassung vertreten. Hatten bereits bei Kriegsbeginn die wirtschaftl. Probleme und der chines. Bürgerkrieg die Zahl der in den städt. Zentren niedergelassenen Schweizer schrumpfen lassen, so führten der Sieg der Kommunisten und deren Reformen zur fast vollständigen Auflösung der Schweizer Kolonie: Ihr Bestand sank in C. von rund 500 (Ende 1945) über 270 (Ende 1949) auf 65 (Ende 1953), in Schanghai von 213 (1947) über 150 (beim Einmarsch der Kommunisten im Mai 1949) auf 26 (Ende 1953).

Autorin/Autor: Michele Coduri, Hans Keller / AZ

1.3 - Handels- und Wirtschaftsbeziehungen

Schweizer Uhren und Musikdosen spielten in den wirtschaftl. Beziehungen mit C. eine wichtige Rolle. Sie waren die einzigen europ. Produkte, die in der chines. Elite des 17. und 18. Jh. auf Interesse stiessen. Bis ins frühe 19. Jh. kontrollierten jedoch brit. Unternehmen den Handel mit Produkten schweiz. Herkunft. Als einer der Ersten kämpfte damals der Genfer Charles Magniac gegen die Monopole der grossen Handelskompanien.

Die ersten direkten und dauerhaften schweiz.-chines. Handelsbeziehungen gehen auf die Gebrüder Bovet aus Fleurier zurück: Edouard arbeitete zunächst für eine brit. Firma als Uhrmacher in Kanton und gründete 1822 zusammen mit drei Brüdern das Uhrenhandelsgeschäft Bovet Frères. Die Uhren wurden im Val-de-Travers in einem Stil hergestellt, der als montre chinoise bekannt wurde. Dank der Anwesenheit dieses Unternehmens in Kanton vor und während dem 1. Opiumkrieg (1840-42) profitierte die Schweiz z.T. von den Konzessionen, welche die westl. Kolonialmächte C. im Vertrag von Nanking 1842 abgerungen hatten, ohne selber eine aktive Kolonialpolitik zu betreiben. Der Erfolg der Bovet Frères bewog andere Uhrenhersteller, sich ab den 1840er Jahren in C. niederzulassen. Ihnen folgten Textil-, Handels- und ab 1886 Chemie-Unternehmen.

Bis zum Ende des 19. Jh. beherrschte die Ausfuhr von Uhren (1847 25%, 1910 50% der Exporte) und die Einfuhr von Rohseide den Handel; andere Produkte kamen nur allmählich hinzu. Der Umfang blieb bescheiden: 1906-13 überstieg er nie 1% des schweiz. Aussenhandels. In der Zwischenkriegszeit nahm der Warenaustausch zu, doch gelangten auch 1930 nur 1,7% der schweiz. Ausfuhren nach C. und weniger als 1% der chines. Exporte in die Schweiz. Der Handel trug insofern koloniale Züge, als die Schweiz Fertigerzeugnisse ausführte und Rohstoffe oder Halbfabrikate einführte. Neben den Uhren machten chem. und pharmazeut. Produkte 15-20%, Maschinen und Apparate ca. 15% der Exporte aus. Die Einfuhr bestand neben der Seide v.a. aus Lebensmitteln und weiteren Textilien. Die Zahl der schweiz. Unternehmen in C. stieg 1920-30 von 20 auf 46, und 1943 waren im Handelsregister des Generalkonsulats in Schanghai sogar 67 Firmen eingetragen, v.a. Handelsfirmen sowie Niederlassungen schweiz. Exportunternehmen. Einzige bedeutende Investition in die Produktion in C. waren die Chinese Aluminium Rolling Mills, ein Aluminiumwalzwerk eines in der Schweiz ansässigen internat. Konsortiums, dem die spätere Alusuisse angehörte.

Angesichts der kriegsbedingten Schwierigkeiten wurde 1942 die Swiss Merchant's Association gegründet, die sich 1945 zur schweiz. Handelskammer in Schanghai umformte. Nachdem der Handel 1942-45 fast zum Erliegen gekommen war, folgten 1946-49 Jahre starken Wachstums. Dennoch bewegten sich die schweiz. Ausfuhren unter 2%, die Einfuhren bei 1% des gesamten Aussenhandels.

Die polit. und wirtschaftl. Umgestaltung C.s nach dem kommunist. Sieg erforderte ein Umdenken: Aus dem Handel in C. wurde ein Handel mit C. Die schweiz. Firmen mussten C. verlassen und ihre Niederlassungen auflösen. Die schweiz. Handelsinteressen gingen aufgrund der westl. Restriktionen gegenüber dem Ostblock und der Ausrichtung der chines. Wirtschaft auf diesen zurück. Hongkong wurde zur Handelsplattform. Nur Siber, Hegner & Co. (heute Siber Hegner) und die 1960 verstaatlichte Chinese Aluminium Rolling Mills blieben in C. aktiv.

Autorin/Autor: Michele Coduri, Hans Keller / AZ

1.4 - Verbindungen und Austausch im kulturellen Bereich

Beschreibungen C.s sind in der Schweiz seit Sebastian Münsters berühmter "Cosmographia" (1544) immer wieder erschienen. Die missionierenden Jesuiten zeichneten ein positives Bild, das sich allerdings vom ausgehenden 18. Jh. an aufgrund der Erfahrungen von Kaufleuten verdüsterte. Beispiel dieses Perspektivenwechsels sind die Erinnerungen von Charles de Constant, der in C. acht Jahre (bis 1792) als Agent einer Handelsgesellschaft gearbeitet hatte.

Im 19. Jh. nahmen sowohl die wissenschaftl. Arbeiten als auch die Reiseberichte über C. stark zu. Aus der Schweiz stammte einer der bedeutendsten Sinologen dieser Zeit, der am Collège de France lehrende Edouard Chavannes. Die Bibliothèque sino-internationale in Genf förderte von 1933 bis zu Beginn der 1950er-Jahre das Interesse an C. und seiner Kultur. Eduard Horst von Tscharner führte 1938 die Sinologie an den schweiz. Universitäten ein. Im folgenden Jahr wurde die Schweiz. Gesellschaft der Freunde ostasiat. Kultur gegründet, 1945 die Chines.-Schweiz. Gesellschaft (später Schweiz.-Chines. Gesellschaft). Die Sympathien gegenüber C., welche in der Schweiz aufgrund der japan. Aggression geweckt worden waren, wichen nach dem kommunist. Sieg einer allg. negativen Einstellung.

Von der Schweiz ist in C. erstmals in einer 1752 für den Kaiserhof verfassten Länderbeschreibung die Rede. Für die schweiz. Institutionen interessierten sich der Philosoph Kang Youwei (1858-1927), der über eine Reform der chines. Verfassung nachdachte, und Sun Yatsen, 1912 erster provisor. Präsident der chines. Republik. Versch. Schriftsteller bereisten und beschrieben die Schweiz, namentlich Hu Zhengzhi (1919), Zhu Ziqing (1932), Feng Zhi (vor 1937) und Xiao Qian (1946). Vom 1. Weltkrieg an studierten Chinesen an Universitäten der Schweiz.

Im 19. und frühen 20. Jh. folgten zahlreiche kath. und prot. Missionen aus der Schweiz der kolonialen Expansion. Die wichtigsten waren die Basler Mission, die ab 1847 in Südchina wirkte, und die Bethlehem Mission Immensee, die sich 1926 in der Mandschurei niederliess. Weitere prot. Missionsgesellschaften waren die Schweiz. Ostasienmission, der Diakonieverband Ländli und die Chrischona-Gemeinde, während auf kath. Seite die Schwestern von Heiligkreuz (in Cham), Ingenbohl und Ilanz sowie die Chorherren vom Gr. St. Bernhard aktiv waren. Manche Schweizer wirkten in ausländ. Missionen, etwa in der engl. China Inland Mission. Die Kriege und Aufstände in der 1. Hälfte des 20. Jh. stellten die Missionen auf eine harte Probe, und die kommunist. Regierung zwang sie schliesslich, das Land zu verlassen: Die prot. Missionen taten dies 1950-51, während die letzten kath. Missionare, die eine Oppositionsstrategie gewählt hatten, 1954 (teils nach Gefängnisaufenthalten) die Volksrepublik verliessen oder ausgewiesen wurden.

Autorin/Autor: Michele Coduri, Hans Keller / AZ

2 - Die bilateralen Beziehungen seit 1960

Die frühe Anerkennung der Volksrepublik C. durch die Schweiz hat die polit., wirtschaftl. und kulturellen Kontakte erleichtert. Ihre Neutralitätspolitik, ihre Guten Dienste und ihre nichtkoloniale Vergangenheit machten die Schweiz aus chines. Sicht zum willkommenen Partner. Die Schweiz wiederum stellte die polit. Beziehungen mit Blick auf den chines. Markt v.a. in den Dienst der Aussenwirtschaft.

Auch als C. durch die Sanktionen der USA und den Bruch mit der UdSSR weltpolitisch isoliert war und sich während der Kulturrevolution (1965-76) zurückzog, pflegten beide Staaten die Kontakte weiterhin: 1961 besuchte der chines. Vizepremier Chen Yi Genf und Bern, 1973 empfing Premier Zhou Enlai alt Bundesrat Max Petitpierre in Peking. Dort hatte bereits 1968 die Swiss Industrial and Watch Exhibition stattgefunden. Bundesrat Pierre Graber eröffnete 1974 die Schweiz. Industrieausstellung Sitex in Peking, sein Amtskollege Willi Ritschard 1975 die erste direkte Flugverbindung Zürich-Peking. Im selben Jahr war C. Ehrengast am Comptoir Suisse. Bereits 1974 hatten die Schweiz und C. den Studentenaustausch wieder aufgenommen.

<b>China</b><br>Bundesrat Willi Ritschard (in der Mitte mit weissem Hemd) posiert im April 1975 mit einer Schweizer Delegation vor der Grossen Mauer. Anlass der Reise war die Eröffnung der ersten direkten Flugverbindung zwischen Zürich und Peking durch die Swissair  © KEYSTONE.<BR/>
Bundesrat Willi Ritschard (in der Mitte mit weissem Hemd) posiert im April 1975 mit einer Schweizer Delegation vor der Grossen Mauer. Anlass der Reise war die Eröffnung der ersten direkten Flugverbindung zwischen Zürich und Peking durch die Swissair © KEYSTONE.
(...)

Die Öffnung der Volksrepublik seit 1978 hat die Beziehungen auf allen Ebenen gefördert, insbesondere in der Wirtschaft. Schon 1974 war ein erstes Handelsabkommen (u.a. mit Meistbegünstigung) geschlossen worden. 1979 gewährte die Schweiz C. dieselben Zollpräferenzen wie Entwicklungsländern (unter Ausklammerung der Textilimporte), und 1980 beteiligte sich die Schweizer Firma Schindler am ersten Joint Venture in C. überhaupt. Bald wurden Konzerne wie Nestlé, ABB, Novartis, Roche und Sulzer sowie viele kleinere Unternehmen in C. aktiv. 1980 wurde in Zürich die Swiss-Chinese Chamber of Commerce gegründet, der in den 1990er Jahren ähnl. Institutionen folgten. 1984-95 erhielt C. von der Schweiz vier Mischkredite (total 330 Mio. Fr.). Weitere Abkommen ebneten den Weg zur engeren wirtschaftl. Kooperation (u.a. 1986 Investitionsschutz, 1989 wissenschaftl. und technolog. Zusammenarbeit, 1990 Doppelbesteuerung, 1992 Patentschutz, 1997 Risikokapitalfonds). Die Schweiz unterstützte C.s Bemühungen zur Aufnahme in die WTO, verlangte aber insbesondere für Tourismus-Agenturen und Versicherungen einen besseren Zugang zum chines. Markt. 1998 vereinbarten die beiden Länder eine Kooperation im Tourismus und eröffneten Tourismusbüros in Peking bzw. Zürich. Die Handelsbilanz war 1960-89 für die Schweiz mehrheitlich positiv, seit 1990 stets negativ. Das Handelsvolumen hat v.a. seit 1980 stark zugenommen (Exporte: 1960 34,4 Mio. Fr., 1970 89,4, 1980 233,4, 1990 415,0, 2000 1'402,7, 2002 2'046,5; Importe: 1960 37,8 Mio. Fr., 1970 78,1, 1980 128,6, 1990 418,7, 2000 2'300,5, 2002 2'206,9), blieb aber für beide Staaten im Bereich von 1% ihres Aussenhandels. Die Schweiz exportierte v.a. Maschinen, Apparate, Uhren sowie chem. Produkte und führte hauptsächlich Textilien sowie Agrarprodukte ein.

In den 1980er und 90er Jahren intensivierte sich auch der polit. Dialog. 1982 vereinbarten Zürich und Kunming eine Städtepartnerschaft. 1988 richtete C. in Zürich ein Generalkonsulat ein, und 1995 wurde das 1962 geschlossene schweiz. Generalkonsulat in Schanghai wieder eröffnet. Vertreter fast aller Eidg. Departemente reisten nach C., führende chines. Politiker in die Schweiz. 1991 wurde der Dialog über Menschenrechte aufgenommen. In der Folge besuchten chines. Fachleute aus dem Bereich von Justiz und Strafvollzug die Schweiz. 1999 kam Präs. Jiang Zemin zu einem Staatsbesuch. Demonstrierende Tibeter verstimmten den Gast. Der Besuch von Bundespräs. Adolf Ogi zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomat. Beziehungen glättete die Wogen, doch das Tibetproblem und die Frage der Menschenrechte blieben weiterhin belastend.

Die kulturellen Beziehungen verliefen weitgehend über individuelle und halboffizielle Kanäle. Freundschaftsgesellschaften wie die Schweiz.-Chines. Gesellschaft und die 1971 gegründete Schweiz. Vereinigung für die Freundschaft mit C. bemühten sich mit der chines. Partnerorganisation Chinese People's Association for the Friendship with Foreign Countries um den kulturellen Austausch mittels Vorträgen, Filmen, Ausstellungen und Studienreisen. U.a. gastierten die Peking-Oper und der chines. Staatszirkus in der Schweiz, während C. Schweizer Orchester und Künstler empfing. Herausragende Werke chines. Kunst werden in der Schweiz namentlich im Museum Rietberg (Zürich) gezeigt. Da die Schweiz in C. primär als frankofones Land angesehen wird, hat sich ein Swiss Study Center 1987 an der franz. Abteilung der Pekinger Fremdsprachen-Universität etabliert. Sinologie und Chinesisch werden in der Schweiz an den Univ. Zürich und Genf gelehrt. 1999 wurden Vereinbarungen über die Zusammenarbeit in Kultur bzw. Erziehung unterzeichnet. Der Tessiner Architekt Mario Botta soll in Peking auf dem Gelände der Universität Qinghua ein Museum für zeitgenöss. Kunst bauen. Die Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron sind mit dem Bau des Olympiastadions für die Spiele 2008 beauftragt worden.

Mit dem verstärkten Austausch auf allen Ebenen stieg auch die Zahl der Schweizer in C. bzw. der chines. Staatsangehörigen in der Schweiz. Nach einem Tiefpunkt mit sechs Schweizern in C. 1974 nahm deren Bestand bis 1990 auf 225, bis 1999 auf 1'885 zu. Am 1.1.2003 waren 1'892 Schweizer in C. gemeldet. In der Schweiz hielten sich 1960 165, 1980 1'377, 1999 4'623 und 2003 7'673 Personen aus C. auf.

Autorin/Autor: Eleonore Baumberger, Hans Keller

Quellen und Literatur

Literatur
– E. Zimmermann, C.s wirtschaftl. Verhältnisse und seine Beziehungen zur schweiz. Export-Industrie, 1923
Schweiz-C., 1974-
– H. Dubois, Die Schweiz und C., 1978
– R. Stämpfli, «Die Schweiz und C. 1945-1950», in SQ 14, 1988, 163-224
– M. Coduri, «I rapporti fra la Svizzera e la Repubblica popolare Cinese 1950-1956», in SQ 21, 1995, 145-194
– S. Steinmann, Seldwyla im Wunderland, 1998
Chines. Reisen in der Schweiz, hg. von R.D. Findeisen et al., 2000
Switzerland-C. 1950-2000, 2000