Leissigen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Interlaken. Die Gem. am linken Thunerseeufer mit Dorf L. (1285 Lensengne, 1290 Lenxingen) und Einzelhöfen erstreckt sich mit Wald und Alpen bis zum Morgenberghorn (2249 m). 1764 250 Einw.; 1850 416; 1900 481; 1930 601; 1950 625; 1980 663; 2000 898. Bronzezeitl. Steinbeil (Brunialp), mehrere Dolche und Bronzeschwerter (Dorf). Der Ort gehörte im MA zur Herrschaft Unspunnen-Rotenfluh, kam über Erbteilung an die Frh. von Weissenburg und 1334 ans Kloster Interlaken. Nach dessen Säkularisation 1528 wurde L. der bern. Landvogtei Interlaken (Freigericht) unterstellt. Herren von L., Ministeriale der Weissenburger, sind im 14. Jh. als Amtleute im Land Hasle, Schultheissen von Unterseen und Burger von Thun bezeugt; ein Herrschaftssitz am Ort ist unbekannt. Die frühma. Kirche (Bau Ende 11. Jh., Wiederaufbau 1675 nach Brand) mit vorgängigem Steinbau des 9.-10. Jh., evtl. früherem Holzbau und Funden des 7.-8. Jh. (Gräber, Taufwannen) ist eine der zwölf Thunerseekirchen, die in der Strättliger Chronik erwähnt werden. Die Frh. von Strättligen schenkten den Kirchensatz 1312 dem Kloster Interlaken (1528 an Bern). Seit dem MA ist auch Därligen nach L. kirchgenössig.

Zu Land- und Obstbau, Fischerei und Bootsbau der Seegemeinde trat im 18. Jh. der Gipsabbau an der Halde bei Krattigen. Dank einer Gipsquelle entstand 1780 ein Bade- und Kurhaus am See (um 1873 eingegangen). Bis zu den Verbauungen des 20. Jh. gefährdeten Wildbäche (Spissi-, Ried-, Griesbach) den Ort. Die zunehmende Belastung des Dorfes (schmale Uferzone) mit Durchgangsverkehr ins Oberland (1887 Schiffstation, 1844 Thunerseestrasse, 1893 Bahnlinie) zwang zum Bau eines Umfahrungstunnels für die Autobahn (1994 eröffnet). Heute bieten Industrie (Gips-, Biskuitfabrik), Kleingewerbe, Landwirtschaft und Sommertourismus (Ferienwohnungen, Gastronomie) Verdienst. Zwei Drittel der Erwerbstätigen pendelten 2000 aus der Gem. weg, vorwiegend in die Regionen Bern und Interlaken.


Literatur
– E. Schläppi, Eine Gesch. der Gem. L., 1996
– B. Mutter, Bauinventar der Gem. L., 1999

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler