• <b>Nicaragua</b><br>Plakat für ein Solidaritätsfest für Nicaragua, El Salvador und Guatemala in St. Gallen, gestaltet von  Franziska Bürkler und Peter Kamm,   1981 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Zahlreiche politische und humanitäre Organisationen der Schweiz unterstützten die neue linke Regierung, die nach dem Sturz von Diktator Anastasio Somoza Debayle und der Machtergreifung der Sandinisten 1979 mit einer Notstandssituation konfrontiert war.

Nicaragua

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Das Gebiet des heutigen Staates N. wurde in den 1520er Jahren von den Spaniern kolonisiert. 1823-38 war es Teil der zentralamerikan. Föderation. Nachdem N. ab Beginn des 20. Jh. unter dem Einfluss der USA gestanden hatte, kamen 1979 die sog. Sandinisten an die Macht, die das Land sozialistisch reformierten. 1990 begann ein Demokratisierungsprozess. 1936 eröffnete die Schweiz in der Hauptstadt Managua ein Konsulat, das 1959 zum Generalkonsulat erhoben und 1976 in eine Botschaft umgewandelt wurde. Während des 2. Weltkriegs vertrat die Schweiz in N. die Vichy-Regierung Frankreichs sowie Italien. Im Gegenzug liess N. sich durch die Schweiz in Deutschland, Frankreich, Italien und Japan repräsentieren. Ausserdem vertrat die Schweiz das Land 1950-60 in Bulgarien. N. erlangte für die schweiz. Wirtschaft nie nennenswerte Bedeutung. 1948 und 1950 lieferten die Schweizer Armee und der Genfer Konzern Hispano Suiza für Millionenbeträge Ordonnanzwaffen, Kanonen und Munition an das Somoza-Regime, wobei allerdings ein grosser Teil des Kriegsmaterials in das mit einem Waffenembargo belegte Israel gelangte. Später exportierte die Schweiz Fertigwaren, Maschinen und chem. Produkte nach N. 1969 eröffnete Nestlé ein Werk zur Herstellung von Milchpulver, um den zentralamerikan. Markt zu bedienen. Die Schweiz gewährte dem verarmten Land ab 1980 Entwicklungshilfe. Neben der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe (später Deza) betätigten sich in N. Nichtregierungsorganisationen (v.a. das Schweiz. Arbeiterhilfswerk) und freiwillige Arbeitsbrigaden. Schwerpunkte der schweiz. Entwicklungspolitik waren wie im übrigen Zentralamerika die Wiederaufforstung, die Sicherstellung von Trinkwasser und die Basisgesundheitsversorgung. In den 1980er Jahren wurden in der Schweiz zahlreiche sandinistenfreundl. Solidaritätsorganisationen gegründet; Nica-Kaffee und Nica-Bananen wurden zu den ersten Produkten der Fair-Trade-Bewegung. 2007 lebten in N. 249 Schweizer, davon mehr als die Hälfte Doppelbürger.

<b>Nicaragua</b><br>Plakat für ein Solidaritätsfest für Nicaragua, El Salvador und Guatemala in St. Gallen, gestaltet von  Franziska Bürkler und Peter Kamm,   1981 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Zahlreiche politische und humanitäre Organisationen der Schweiz unterstützten die neue linke Regierung, die nach dem Sturz von Diktator Anastasio Somoza Debayle und der Machtergreifung der Sandinisten 1979 mit einer Notstandssituation konfrontiert war.<BR/>
Plakat für ein Solidaritätsfest für Nicaragua, El Salvador und Guatemala in St. Gallen, gestaltet von Franziska Bürkler und Peter Kamm, 1981 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Literatur
– T. Kadelbach, Les brigadistes suisses au N., 2006

Autorin/Autor: Thomas Fischer