Guatemala

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1524 besiegten span. Konquistadoren in G. versch. Mayastämme und gliederten das Gebiet in das span. Kolonialreich ein. Nach der Gründung des guatemaltek. Nationalstaats im Jahr 1839 regierte eine kleine Elite mit Unterstützung der Armee. 1961 begann eine linksorientierte Guerilla die autoritären Regimes in G. zu bekämpfen. Erst 1996 kam ein Friedensschluss zustande, der dem blutigen Bürgerkrieg ein Ende setzte.

Ab 1891 bestanden konsular. Beziehungen der Schweiz mit G. 1957 wurde in G. eine Gesandtschaft errichtet, die 1962 zur Botschaft aufgewertet wurde und zugleich für El Salvador und Honduras zuständig war. G. unterhält in der Schweiz seit 1902 nur konsular. Vertretungen (Genf, später Zürich).

Schweizer Immigranten beteiligten sich an Kolonisationsunternehmen, am Export von Indigo, Koschenille und Rinderhäuten sowie am Anbau und an der Vermarktung von Kaffee ab den 1870er Jahren. Aus der Schweiz wurden im 19. Jh. Uhren und Textilien, im 20. Jh. Erzeugnisse der Maschinen- und der chem. Industrie importiert. Ein Handelsabkommen (1955), ein Abkommen über den regelmässigen internat. Luftverkehr (1974) und ein Mischkreditabkommen (1989) festigten die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Problematisch war die Lieferung ziviler PC-7-Flugzeuge aus der Schweiz an G., die - nachgerüstet - gegen bewaffnete Aufständische und Zivilpersonen zum Einsatz kamen. Die Entwicklungshilfe des Bundes für G. erreichte nie ein grosses Ausmass, während Hilfswerke punktuell mit Bildungsprojekten v.a. für die indian. Bevölkerung präsent sind. 2003 lebten in G. 1'137 Schweizer, davon 934 Doppelbürger.

Der Arzt und Biologe Carl Gustav Bernoulli war 1858-78 in G. tätig. 1877 entdeckte er in der einstigen Mayastadt Tikal mit Inschriften verzierte Türverkleidungen aus Holz, die er nach Basel schickte. Der Berufsoffizier Jacobo Arbenz Guzmán, Sohn eines Schweizer Einwanderers, wurde 1950 demokratisch zum Präsidenten G.s gewählt, aber 1954 nach einer gegen die Interessen der Grossgrundbesitzer gerichteten Landreform mit Hilfe der USA gestürzt. Ihm setzte Andreas Hoessli 1995 ein film. Denkmal.


Literatur
– A. Sommavilla, «Schweiz. Kriegsmateriallieferungen an die Regierung von Jacobo Arbenz Guzmán (1951-1954)», in Unheiml. Geschäfte, hg. von W.L. Bernecker, T. Fischer, 1991, 275-285
Devils don't dream [Film], Regie: A. Hoessli, 1995
– S. Karlen, «Schweizer Auswanderer und die Perzeption des Fremden», in Transatlant. Perzeptionen, hg. von H.-J. König et al., 1998, 117-138
– V. Meyer-Holdampf, Tikal-Abenteuer und Entdeckung, 2000

Autorin/Autor: Thomas Fischer