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Interlaken (Gemeinde)

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Interlaken, bis 1891 Aarmühle. Bezirkshauptort und Marktort, Tourismuszentrum des Berner Oberlands, gelegen auf dem Bödeli zwischen Brienzer- und Thunersee mit Anteil am Harder. 1764 397 Einw.; 1850 1'054; 1900 2'962; 1950 4'368; 2000 5'119.

Die im Gemeindegebiet gemachten Einzelfunde (neolith.-frühbronzezeitl. Silices, Bronzeschwert und röm. Münzen) lassen keine Schlüsse auf die Besiedlung zu. Im HochMA wurde am linken Aareufer auf Reichsgrund das Augustinerpriorat I. gegründet (1133 erwähnt als inter lacus Madon). Es lag am Weg zwischen Unter- und Oberland bei einer Aarebrücke, an der sich im SpätMA klösterl. Zelgdörfer, linksufrig Aarmühle (1365 Amuli) und rechts I.-Dorf (1239 villa Inderlappen) entwickelten. Neben dem Dorf I. entstand um 1279/80 das Städtchen Unterseen. In der Nähe lagen die Reichsburg Weissenau und der Marktort Widen, die im Besitz des Klosters ihren Rang im SpätMA einbüssten und verfielen. An diesem rechten Aareufer etablierte sich Unterseen im 19. Jh. als einzige polit. Gem., wobei sie das Dorf I. absorbierte. Am linken Ufer entstanden 1838 die zwei polit. Gem. Matten und Aarmühle. Die Einwohnergem. Aarmühle umfasste das Dorf und den Kloster- bzw. Landvogteibezirk mit dem Aarelauf (Aarekanal) als Gemeindegrenze. Als Fremdenort benutzte Aarmühle den Namen I., z.B. für seine Bahnhöfe oder für Poststempel; die offizielle Änderung des Gemeindenamens erfolgte 1891. Kirchlich gehört I. zur Kirchgem. Gsteig.

I.s Ruf als internat. Kurort nach 1800 beruhte auf seiner landschaftl. Schönheit, verbreitet u.a. durch die Landschaftsbilder Franz Niklaus Königs, auf dem Erfolg der Unspunnenfeste (1805 und 1808) und der ab 1820 rasch wachsenden Hotellerie mit Molkenkuren und Kursaalbetrieb (1859). Der Ort war leicht erreichbar, ab 1835 mit Dampfschiffen von Thun via Hafen Neuhaus (Unterseen), ab 1839 von Brienz bis I.-Zollhaus und schliesslich auch mit der Eisenbahn: 1872 wurde die Bödelibahn Därligen-I. eröffnet (Ausbau zur Thunerseebahn 1893), 1888 die Brünigbahn und 1916 die Brienzerseebahn. Aareüberquerungen der Bödelibahn verhinderten die durchgehende Schifffahrt von See zu See; eine Teillösung bot der Aarekanal bis I.-West mit Bahnanschluss zur Station I.-Ost und Anschluss an die Brienzerseeschifffahrt. Seit 1988 ist I. mit der Autobahn A8 verbunden. Mit dem Anschluss an die Berner-Oberland-Bahnen 1890 ab der Station I.-Ost war der tourist. Alpenraum mit Lauterbrunnen und Grindelwald noch näher gerückt. Trotz seiner wachsenden Transitfunktion blieb I. ein attraktiver Kurort. Weitsichtig war 1864 der genossenschaftl. Ankauf der Staatsdomäne Höhematte (früherer Gerichts- und Landsgemeindeplatz), auf der seither keine Gebäude errichtet werden dürfen. Am Höheweg mit Blick auf das Jungfraumassiv entstanden zuerst Pensionen, dann Hotels und Hotelpaläste (1860-75, 1890-1914), ferner der Kursaal (Bausubstanz 1898-99, Umbau 1909-10), Ladengeschäfte sowie die Bauten der Ersparniskasse (1852), der Volksbank I. (1873), des Verkehrsvereins Berner Oberland (1897) und des Verkehrsvereins I. (1910). Ebenso entwickelten sich Handwerk und Gewerbe, u.a. eine Parkett- (1850-1935) und eine Kammgarnfabrik (ab 1921). Im ausgehenden 20. Jh. waren eine Wollgarnspinnerei und eine Metallwarenfabrik in I. angesiedelt, ferner Werkstätten von Bahnen und Bundesbetrieben.

Bahnen erschlossen I.s Aussichtspunkte Heimwehfluh (1906) und Harder (1908). Das hektische Wachstum des Fremdenverkehrs schlug 1914 jäh in anhaltende Krisen um. Der 1955 einsetzende Aufschwung war mit Strukturwandel verbunden: I. baute sein Angebot als Kongressort aus, u.a. mit dem Ganzjahresbetrieb des Kursaals, dem Bau des Kongresshauses (1980) sowie den Musikfestwochen (seit 1960), den Unspunnenfesten und den Tellspielen (seit 1912). Heute ist das Gemeindegebiet mit den beiden Kernen Dorf (Aarmühle) und Landvogteischloss städtisch überbaut; I. und Matten sind baulich verzahnt. Sie bilden mit Unterseen eine einzige Tourismus- und Wirtschaftsregion mit teilweise gemeinsamer Infrastruktur; eine polit. Fusion der drei Gem. wurde 1914 und 1927 abgelehnt. Zu den interkommunalen Institutionen zählen Sekundarschule (1858), Gymnasium (1963), Bezirksspital (1905, seit 1999 Teil der spitäler fmi ag), Behindertenzentrum (1960), kath. Pfarrei I. (Heiliggeistkirche, 1906-08 erbaut) und ref. Pfarrkreis I.-Matten (1948) mit der sog. Schlosskirche (ehem. Klosterkirche, Neubau des Schiffs 1909-11).


Literatur
– H. Spreng, I., 1956
– R. Gallati, Aarmühle-I. 1838-1988, 1991
– P. Bannwart, Bauinventar der Gem. I., 2000

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler