Habkern

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Interlaken. Die 51 km2 grosse Berggemeinde umfasst ein ausgedehntes Wald- und Alpgebiet am Südhang des Hohgants im Quellgebiet der Emme. In dem von Streusiedlungen dominierten Gemeindegebiet bilden die Bäuerten Bohlseiten, Bort, Schwendi und Mittelbäuert (Gemeindezentrum, Kirche) kleine dörfl. Kerne. 1275 Habcherron. 1764 365 Einw.; 1850 724; 1880 839; 1900 781; 1950 671; 2000 624. Das Gebiet war Reichsgut, das Kg. Rudolf 1275 den Frh. von Eschenbach im Tausch übergab. Nach der Ermordung Kg. Albrecht I. von Habsburg 1308 fiel H. an Habsburg-Österreich und wenig später an das Kloster Interlaken. Die Leute von H. litten 1342 unter Raubzügen der Unterwaldner; sie erhoben sich 1348-49 gegen das Kloster und nahmen 1445 am Bösen Bund der Oberländer teil. Nach anfängl. Widerstand gegen die Reformation folgte 1528 die Zuteilung H.s zur Kirchgem. Unterseen (vorher Goldswil) und 1529 jene zur Landvogtei Interlaken (1762-98 Umteilung ans Stadtamt Unterseen). Spätestens von 1538 an wurde einmal im Monat Predigt in der 1565 erw. Filialkirche H. gehalten; mit deren Neubau 1666 wurde H. selbstständige Kirchgemeinde (ab 1803 im Oberamt Interlaken). Erwerbszweige waren Alpwirtschaft und Viehexport. Zur Entwaldung des Gebiets trugen die 1720 konzessionierte, bis ca. 1778 betriebene Glashütte im Harzersboden und im 19. Jh. die Milchzuckersiederei bei. 1828 erhielt H. eine Fahrstrasse, die von Unterseen her ins Bergtal führte. Armut zwang zur Abwanderung ins Unterland bzw. zur Emigration in die USA oder nach Deutschland. Heute bringt neben der traditionellen Vieh- und Alpwirtschaft auch der Tourismus (zwei Hotels, Ferienwohnungen und -heime; Skilift) Verdienst; ein Drittel der Erwerbstätigen pendelt in den Raum Interlaken. Die vier Bäuerten teilen sich in die Gemeindeaufgaben.


Literatur
– J.C. Remijn, Kirchengesch. von Unterseen, 1979
– M. Sooder, H., 1964, 21982

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler