26/08/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Kappel (Toggenburg)

Ehem. polit. Gem. SG in der Region Toggenburg, seit 1965 mit Ebnat zur polit. Gem. Ebnat-K. vereinigt. Das Dorf war zuvor durch die Gem. Ebnat vollständig vom dazugehörigen Land getrennt. Neben dem Strassendorf K. ausgeprägte Einzelhofsiedlung in voralpiner Hügellandschaft. 1218 Capelle. 1827 1'995 Einw.; 1860 2'229; 1900 2'187; 1950 1'883; 1960 1'968.

Erste Flurnamenerwähnung 912 Hohenwarta. Vermischte grundherrl. Rechte bewirkten die Trennung von Dorf und übrigem Gemeindegebiet. Das Kloster St. Johann kam 1218 in Besitz des Patronatsrechts der Capelle. In der Folge gehörte K. zum St. Johanner Gericht Thurtal, Ebnat zum Gericht Iberg. 1468 ging K. wie das übrige Toggenburg durch Kauf an die Fürstabtei St. Gallen über und wurde 1477 zur Pfarrei. Nach der Reformation wurde die Kirche für den evang. Kultus, nach 1593 paritätisch genutzt, 1620 eine kath., 1679 eine evang. Pfarrei errichtet. Das Patrizierhaus zum Felsenstein, 1624 von Hans Heinrich Bösch erbaut, belegt Wohlstand und Führungsrolle einzelner Familien. 1803 wurde K. polit. Gem. des neuen Kt. St. Gallen.

In der vorindustriellen Wirtschaft dominierte Viehzucht mit Alpwirtschaft. In der Textilverarbeitung entwickelte sich im 18. Jh. zunächst die Baumwollspinnerei, später auch die -weberei in Heimindustrie. Ab Mitte des 19. Jh. stand eine Rotfärberei im Dorf, die Stickereiindustrie gewann nach 1860 an Bedeutung; 1865 wurde die mechan. Buntweberei im Trempel ausgebaut. K. nahm Aufschwung als Molken- und Luftkurort. Der Dorfbrand zerstörte 1854 71 Häuser und beide Kirchen. In der Blütezeit der Stickerei wurde 1870 die Bahnlinie von Wil (SG) nach Ebnat-K. eröffnet, 1912 bis Nesslau erweitert. Nach dem 1. Weltkrieg sicherten trotz Stickereikrise breit gefächerte Kleinindustrien den Bevölkerungsbestand. Die Industrialisierung förderte das Zusammenwachsen mit Ebnat: 1841 Sekundarschule Ebnat-K., 1943 private Dorfgemeinschaft Ebnat-K., 1965 Fusion.


Literatur
Ebnat-Kappler Mosaik, 1982-
– W. Hofer, Ebnat-K., 1994

Autorin/Autor: Hans Büchler