Kleinhüningen

Ehem. polit. Gem. BS, seit 1908 Industriequartier der Stadt Basel, das sich am rechten Rheinufer nördlich der Wiesemündung auf einem Teil des einstigen Gemeindegebiets erstreckt. Franz. Petit-Huningue. 1641 195 Einw.; 1774 405; 1850 531; 1888 1'322; 1910 1'778 (als Stadtquartier); 1950 2'371; 2000 2'574. Funde aus bronzezeitl. Siedlung. Das bedeutende frühma. Gräberfeld wurde von ca. 450 bis 700 belegt. Die wichtigsten Rechte in K. besassen im ausgehenden HochMA die Geschlechter von Tegerfelden und Vorgassen, später die Edlen von Mörsberg und Renke und das Frauenkloster Klingental. Ab 1385 teilten sich Kleinbasel (später Basel) und der Markgraf von Baden die Herrschaft, bis Letzterer 1640 seinen Anteil an Basel verkaufte, das K. bis 1798 als eigenes Amt verwaltete. K. bildete mit Hiltalingen bis 1640 eine Filiale der Pfarrei Haltingen, dann wurde es der Kleinbasler Theodorspfarrei inkorporiert (1710 eigene Kirche). Die Kleinhüniger Fischer stellten eine besondere Zunft und besorgten den Fährdienst mit Hüningen; mehrere Streitigkeiten mit den Basler und den Elsässer Fischern, wie der Lachsstreit von 1736, sind überliefert. Weberei und die Indienneindustrie Kleinbasels boten Zusatzverdienst. 1833 verblieb K. mit Riehen und Bettingen beim Kt. Basel-Stadt im Landbezirk (1875 aufgehoben). Vom späten 19. Jh. an entwickelte sich K. zum Industrie- und Grossgewerbequartier, u.a. mit Färbereien, Eisenbahnanlagen, der Basler Chem. Fabrik von Robert Bindschedler (1893, ab 1908 Teil der Ciba), dem Gaswerk (1931) und der ARA von Basel (1982). Mit dem Bau der Hafenanlagen (1919-22, 1936-39) wurde K. zum bedeutenden Güterumschlagplatz. Ab 1893 führte Basel die Geschäfte der Gem. K., 1908 wurde die Eingemeindung vollzogen. 2000 lag der Ausländeranteil im Quartier bei 43%.


Literatur
– P. Hugger K., 1984
– U. Giesler-Müller Das frühma. Gräberfeld von Basel-K., 1992
– B. Lüem, Heimathafen Basel, 2003
– B. Lüem Basel K., 2008

Autorin/Autor: Brigitta Strub