Plainpalais

Ehem. polit. Gem. GE, seit 1931 Teil der Gem. Genf. Die Gem. bestand aus den zwischen Rhone und Arve gelegenen alten Vorstädten Palais (plana palus, lat. für sumpfige Ebene), Saint-Léger und Saint-Victor; ihr Gebiet umfasste die heutigen Genfer Quartiere P., La Jonction, La Cluse, Les Tranchées, Champel, Le Bout-du-Monde, Les Acacias und Les Vernets, ein Streifen am linken Arveufer. P. wurde nach einem der Stadttore auch als banlieue de Neuve bezeichnet. 1690 520 Einw.; 1797 1'111; 1814 1'189; 1850 3'352; 1900 19'667; 1920 35'320.

Neolith. Funde. Suburbium längs der Römerstrasse Richtung Süden. Im MA zählte der Teil von P. am linken Rhoneufer zu den Genfer Freigütern, zu denen 1445 noch der Streifen von Les Vernets dazu kam. Das übrige Land am linken Arveufer gehörte zur Herrschaft Lancy bzw. ab 1317 zu jener von Bâtie-Meillé. Zwischen 1534 und 1543 wurde Saint-Léger wie die anderen Vorstädte für die Anlage eines Schanzensystems abgerissen und das gleichnamige Tor geschlossen. Savoyen und Genf lagen miteinander im Streit um das linke Arveufer, bis der Vertrag von Turin dieses 1754 der Stadt zuteilte. Die Gem. P. wurde 1798 unter dem franz. Regime gegründet (ein Maire, zwei Adjunkte). 1930 sprach sich die Bevölkerung mit 2'673 Ja- gegen 1'535 Neinstimmen für eine Fusion mit Genf aus.

Das Gemeindegebiet war im MA versch. Pfarreien zugewiesen: Das linke Arveufer gehörte zur Pfarrei Lancy, das Rhone-Arve-Dreieck zu jenen von Saint-Gervais, Saint-Germain und Saint-Léger (Letztere ab 1215 erw.). 1263 liessen sich die Dominikaner nieder, nachdem ihnen Peter II. von Savoyen hier Grund abgetreten hatte. Der Gf. von Genf und der Baron von Faucigny liessen Kloster und Kirche 1321 niederbrennen; die wiedererrichteten Gebäude wurden während der Reformation endgültig zerstört. Von 1318 bis zur Reformation gab es eine Einsiedelei in der Nähe einer Margarethenkapelle. Das Kloster der Augustinereremiten mit der Kirche Notre-Dame-des-Grâces wurde 1487 an der Stelle einer älteren, 1461 erw. Eremitensiedlung gebaut. Das der Bürgerschaft unterstellte Pestspital stammt von 1473, die dazugehörige Kirche Notre-Dame de Miséricorde von 1487. Mit der Aufhebung der Vorstadtpfarreien 1536 wurde der Pestfriedhof zum Hauptfriedhof Genfs; er ist seit 1883 bedeutenden Persönlichkeiten vorbehalten. Das Spital und die Kirche, die als einzige den Zerstörungen im 16 Jh. entgingen, bestanden bis 1776.

Erste Arbeiten zur Eindämmung der Arve, die häufig über die Ufer trat, unternahmen die Dominikaner im 13. Jh. Sie gewannen Land im Flussdelta. Im 18. Jh. wurde das Gebiet für den Gemüseanbau und als Naherholungsgebiet (1697 Paille-Maille-Spielfeld) genutzt. Die öffentl. Anlage besteht aus einer weiten rautenförmigen, von Alleen umgebenen Fläche (der heutigen Plaine de P.), die damals wie heute unterschiedl. Freizeitzwecken sowie der Durchführung von nationalen Kundgebungen und Grossveranstaltungen dient. Das Gebiet zog kulturelle Institutionen und Freizeitanbieter an, die sich auf eine gewisse Zone konzentrierten (1865 Zirkus, 1880 Diorama, 1887 Casino, versch. Theater). Das Kantonsspital (1856), die Maternité (1875), die Ecole de médecine (1876) und die Ecole de chimie (1878) brachten der Gem. neue, qualifizierte Arbeitsplätze und prägten das Ortsbild nachhaltig. Die Landesausstellung 1896 wertete die Gem. weiter auf. 1882-1910 erfuhr sie unter Bürgermeister Charles Page einen Entwicklungsschub; es entstanden die Brücken Sous-Terrre (1891) und La Coulouvrenière (1896), die Quais am Arveufer (1890-91), das neue Rathaus (1899) und das für Genf einzigartige Gemeindehaus (1906). Die Anlagen der Société des Minoteries de P. ersetzten 1885 die alte Arvemühle. Das von 1845-1914 in der Coulouvrenière im Quartier La Jonction betriebene Gaswerk und die benachbarten Kraftwerke, deren Gebäude 1883-93 entstanden, machten die Gem. für die Industrie und v.a. für den Maschinenbau attraktiv. Der Bau des Palais des expositions 1926, der 1980 nach Le Grand-Saconnex verlegt wurde, beschleunigte die Entwicklung des Quartiers.


Literatur
– P. Bertrand, P., 1943
– L. Blondel, Le développement urbain de Genève à travers les siècles, 1946
– A. Brulhart, E. Deuber-Pauli, Ville et canton de Genève, 1985, 173-191 (21993)

Autorin/Autor: Dominique Zumkeller / AL