Granges (VS)

Ehem. polit. Gem. VS, seit 1972 Teil der polit. Gem. Siders, Bez. Siders. Am linken Rhoneufer gelegen; dt. Gradetsch. 1850 275 Einw; 1900 437; 1950 951; 1970 1'326. Neolith. Gräber. Ma. Ort auf zwei Hügeln, überragt von drei monumentalen Türmen, von denen aus die Strasse in der Rhoneebene kontrolliert werden konnte. Diese Strasse musste G. zwischen der Brücke über die Lienne und dem Wildbach Marcon unterhalten. Weil die Rhone immer wieder über die Ufer trat, war dies mit Schwierigkeiten verbunden. Die Gf. von G. sind ab dem 10. Jh. erwähnt; auf sie gehen die Burg und das befestigte Dorf zurück. Im MA war G. das Zentrum einer Kastlanei, die Grône, Lens und Saint-Léonard umfasste und bis 1226 zum Hl. Röm. Reich gehörte, danach dem Bf. von Sitten. 1173 ging die Herrschaft durch Heirat an die Fam. de Corbières. Mehrere Fam. folgten ihnen: die Albi, Montjovet, de la Tour-Morestel, Anniviers, Tavel (Haus Tavelli von 1480) sowie die Rovéréa. 1603 verkaufte Marguerite de Rovéréa Burg und Herrschaft von G. der Bürgerschaft von Sitten; in der Folge wurden G. und Bramois von einem gemeinsamen Kastlan sowie von einem Vizekastlan mit Amtssitz in G. verwaltet. Nach 1798 wurde die Kastlanei in vier Gem. aufgeteilt; G. kam zum Zenden, danach zum Bez. Siders. Das Benediktinerpriorat von G., ab 1153 erwähnt, gehörte erst zur Abtei Ainay (Lyon), ab 1379 zum Priorat Ayent und wurde 1620 dem Domkapitel von Sitten verkauft. Die Pfarrkirche St. Stefan wurde in den Rarner Kriegen zerstört. Darauf wurde der Gottesdienst in der Prioratskirche St. Jakob abgehalten; das gegenwärtige Gebäude (1891-1910) steht vermutlich auf der alten Prioratskirche. Die Arbeiten zur Eindämmung der Rhone begannen 1863, gleichzeitig mit dem Bau der Bahnlinie, und gestatteten in der Folge eine Intensivierung der wichtigsten Wirtschaftszweige von G. (Viehzucht, Ackerbau, Weinbau). Die Gem. entwickelte sich zu einem Wohnort auf halbem Weg zwischen Siders und Sitten. Trotz der Erschliessung durch die Autobahn A9 erfolgte keine industrielle Entwicklung.


Literatur
– J.-E. Tamini, L. Quaglia, Châtellenie de G., Lens, Grône Saint-Léonard avec Chalais-Chippis, 1942 (22001)
– L. Blondel, «Les châteaux et le bourg de G.», in Vallesia 9, 1954, 129-148
Qu'il est joli mon village, 1978
HS III/1, 744-750

Autorin/Autor: Bernard Monnet / SK