Bramois

Ehem. polit. Gem. VS, 1968 mit Sitten vereinigt, am linken Ufer der Rhone. Ende 8. Jh. Bramosium, dt. Brämis. Um 1450 40-50 Haushalte; 1798 298 Einw.; 1821 232; 1850 381; 1900 703; 1950 866; 1960 859. Einzelfunde stammen aus der Latènezeit. Um 800 besass die Abtei Saint-Maurice ein Gut B., dessen Erhalt sie auf 515 datierte. In der Folge ging B. an das Domkapitel Sitten über, das im 14. Jh. die geistl. und weltl. Gerichtsbarkeit innehatte. Von den Viztumen von Sitten usurpiert, gelangte das Vizedominat B. 1569 durch Kauf an die Stadt Sitten; bis 1798 unterstand es einem Kastlan. Eine Dorfgenossenschaft ist erstmals 1302 belegt. Ein Altarraum stammt aus dem späten 5. Jh. Die Pfarrkirche (Laurentius-Patrozinium) ist ab 1278 erwähnt, dürfte aber um 1000 entstanden sein. 1522 wurde die Einsiedelei Longeborgne gestiftet. Kleingewerbe prägte die Wirtschaft von B.: Kalköfen (17. Jh.), Kupfergewinnung (nach 1836), Anthrazitabbau, Hutfabrikation (1872), Tuch- und Bierherstellung (um 1900). 1895 erhielt B. ein Elektrizitätswerk. Das Dorf hat sich in letzter Zeit zum Wohnvorort Sittens entwickelt. Die dt. Sprache ist im Rückzug begriffen: 1860 67 von 104 Haushalten, 1900 40% der Einwohner, 1960 9%.


Literatur
La réunion des communes de Sion et de B., 1968
– A. Lugon, «Lieux et gens de B., du bas Moyen Age au milieu du XVIIIe siècle», in Ann. val., 1985, 151-180

Autorin/Autor: Danielle Allet-Zwissig / AZ