Brienzwiler

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Interlaken. Die Gem. umfasst nördl. der Aare das erhöht gelegene Dorf B. (1347 Wiler am Brünig), in der Ebene Balmhof (Bahnstation), ferner Vorsassen und Alpen (u.a. Wiler-Vorsass, Ramseren) bis zum Wilerhorn, südl. der Aare die Exklave Alp Oltscheren. 1764 293 Einw.; 1850 610; 1880 760; 1900 662; 1950 579; 1980 473; 1990 536; 2000 580. Das ma. Dorf B. war Mannlehen der Ministerialen Rudenz von der Herrschaft Ringgenberg. Die Rudenz verkauften es 1361 an Bernburger, von denen es an verschiedene bernische, weltliche und geistliche, Teilbesitzer überging. Vom letzten Herrn von Ringgenberg erhielt Bern 1383 das Recht, die Leute von B. im Krieg mit dem Reichsland Hasli aufzubieten. Als das Kloster Interlaken 1460 gegen B.s Landrecht mit Hasli klagte, löste Bern dieses auf. 1522 kam B. an Bern, 1528 zur Landvogtei Interlaken. Kirchlich gehört B. zu Brienz, verfügt aber über Friedhof (1936) und Kirche (1941). Die Viehwirtschaft als Haupterwerb umfasste Tal- und Alpbetrieb; 1372 wurde u.a. mit Meiringen um die Alp Wiler-Vorsass gestritten. Als Passdorf am Brünigpass war B. am Transit-, ab dem 19. Jh. am Tourismusverkehr beteiligt. 1888 erfolgte der Anschluss an die Brünigbahn. Heute bringen Holzgewerbe (Schnitzerei, Holzbau), Bundesbetriebe (Brünigbahn, Militärflugplatz, Zeughaus), das Freilichtmuseum Ballenberg, Hotellerie und Parahotellerie Verdienst.


Literatur
– G. Kurz, «Ältere Gesch. von B.», in Bilder aus der Gesch. des Berner Oberlandes, H. 2, 1928
Gschou zerscht bin iis, [1989]
– H.-R. Egli, H. Koller, «Eine Kartoffelflur aus dem 18. Jh. im Berner Oberland (Schweiz)», in Zs.f. Agrargesch. und Agrarsoziologie 41, 1993, 44-65

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler