11/08/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bönigen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Interlaken. Dorf an der Mündung der Lütschine in den Brienzersee, am Fuss des Grates Schynige Platte-Rotenfluh. 1261 villa Boningen. 1764 346 Einw.; 1850 1'263; 1900 1'515, 1950 1'734; 2000 2'182.

Kalkbrennofen am Weg nach Iseltwald. Die älteste Dorfanlage entstand auf dem vor Hochwasser sicheren Schuttkegel des Hauetenbachs. Erweiterungen an der Strasse nach Interlaken und im Sand folgten nach der Verbauung der Lütschine (18. Jh.) und der Seespiegelabsenkung (um 1860). B. war Reichslehen der Frh. von Eschenbach, die es 1261 und 1275 mit Iselten- und Künzlenalp dem Kloster Interlaken übergaben. B. war in alle Aufstände des Oberlandes verwickelt: Hier wurden 1330 die Oberhasler im Weissenburger Krieg geschlagen. 1349 nahm B. an der erfolglosen Empörung gegen das Kloster Interlaken, 1528 am Widerstand gegen die Reformation teil. Nach der Säkularisation des Klosters (1528) kam B. an die bern. Landvogtei Interlaken. Eine Kapelle (Standort im Ortsteil Chappeli) wurde nach 1528 abgebrochen. Kirchlich gehört B. zu Gsteig-Interlaken; die 1957 erstellte Kirche B. ist Zentrum des Pfarrkreises B.-Iseltwald. 1814 und 1836 sympathisierte man in B. mit einem Kt. Oberland. 1812 wurde der Brandwald der Burgergemeinde dem Staat Bern vertraglich zugeteilt. Seit 1861 werden Burger- und Einwohnergemeinde gemeinsam als Gemischte Gemeinde verwaltet.

Neben der Viehwirtschaft im Tal- und Alpbetrieb (Ende des 20. Jh. drei Alpgenossenschaften auf Künzlenalp) entwickelte sich die Zimmerei. Nach dem Bau des Lütschinenkanals (1835) siedelte sich Gewerbe an, u.a. die Holzschnitzerei, um 1900 von ca. 100 Schnitzern betrieben. Mit Hotelbauten (ab 1829) und einer Quaianlage (1907) entwickelte sich B. auch zum Luft- und Molkenkurort am See. Die tourist. Erschliessung erleichterten die Bödelibahn (1874 Därligen-B., 1969 Teilstück Interlaken-B. aufgehoben) und der Autobus nach Interlaken (vor 1906). 1990 waren 62% der in B. Erwerbstätigen im 3. Sektor beschäftigt, viele der 63% Wegpendler arbeiteten im Raum Bödeli. Grösste Arbeitgeber der Gemeinde waren die BLS-Werkstätten (1916) und der Militärflugplatz (1945, Reorganisation ab 1996).


Literatur
– C. Rubi, «Dorfpflege in B.», in Jb. vom Thuner- und Brienzersee, 1967, 25-36
– P. Michel, B., [1994]

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler