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Beatenberg

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Interlaken. Ausgedehnte Berggemeinde mit den sog. Burgerbäuerten (Gütergemeinden) Schmocken, Spirenwald, Waldegg sowie Sundlauenen am See, ferner Einzelhöfen. Heute Kurort am Südhang über dem Thunersee. 1275 super rupes, 1281 ob den fluen, 1357 Sant Beaten berge. 1764 547 Einw.; 1850 1'075; 1900 1'082; 1950 1'323; 1990 1'373; 2000 1'279.

Frühma. Gräber und Einzelfunde im Raum Balmfluh-Beatushöhlen. Im 13. Jh. teilten sich versch. Herren (Rothenfluh, Oberhofen, Wädenswil) in das Gebiet. Der Anteil der Eschenbacher als Erben der Oberhofen kam 1275 tauschweise als Reichslehen an Habsburg, nach 1318 als Pfand an die Herrschaft Weissenau und zusammen mit Weissenau 1334 an das Kloster Interlaken, das in der Folge zum grössten Grundbesitzer in B. aufstieg. Die von weit her besuchte Wallfahrtskapelle stand im Innern der Beatushöhle am See, die Pfarrkirche (1230 erw., Beatus-Patrozinium) davor. Der Kirchensatz kam 1263 und 1334 an Interlaken. Nach der Säkularisation des Klosters (1528) gelangte er mit dessen übrigem Besitz an Bern, das zur Unterbindung der Wallfahrt Kirche und Kapelle abbrechen, die Höhle zumauern und eine Holzkirche auf dem Berg 1534-40 errichten liess (heutiger Bau von 1673). 1535 wurde die Bäuerte Waldegg-Rufenen von Goldswil der Kirche B. zugeteilt; Sundlauenen war kirchlich vorübergehend (1748-1822) bei Unterseen. 1529 wurde B. der Landvogtei Interlaken zugeteilt, 1762 dem Stadtamt Unterseen und 1803 dem Oberamt (heute Amtsbez.) Interlaken.

Die Bäuerten Spirenwald, Schmocken und Waldegg-Rufenen verfügten über Allmenden und gemeinsame Alpen. 1394 und 1409 entbrannte Streit um Weiderechte; erst 1535 legte man die Grenzen zwischen den Bäuerten fest. Die ehemaligen grundherrl. Alpen, an Einheimische verliehen, gehören heute Alpgenossenschaften. Im 18. Jh. brachte die Wollspinnerei Zusatzverdienst. Der Abbau von Steinkohle auf der Gemmenalp (ab 1771) und am Niederhorn (ab 1795) wurde 1856 eingestellt. 1851 trat der Staat seinen Hochwald den Bäuerten ab. Die Schulbezirke Spirenwald, Schmocken, Waldegg und Sundlauenen-Ruchenbühl kamen 1822-29 zu ihren ersten Schulhäusern. Seit 1957 steht die Sekundarschule in Spirenwald. Der Kurbetrieb nahm seinen Anfang im gastl. Pfarrhaus. 1866 setzte der Bau von Hotels und Pensionen ein, gefolgt vom Ausbau der Verkehrsverbindungen: 1865 Strasse nach Interlaken, 1884 Seestrasse mit Trambahn Steffisburg-Interlaken (1914-39, heute Trolleybus), 1889 Drahtseilbahn Thunersee-B., 1905 Schiffsstation Sundlauenen. Es entstand eine eigentl. Luxushotellerie, deren Blüte indes 1914 jäh zu Ende ging. Die Krise konnte erst nach 1959 dank eines umfassenden Strukturwandels überwunden werden: B. stellte auf Ausflugsverkehr, Kurbetrieb, Appartement- (1979) und Parahotellerie (1980 ca. 250 Ferienwohnungen) um und baute die tourist. Infrastruktur aus (u.a. Niederhorn-Sesselbahn 1946, Skilifte seit 1956, Kongressgebäude 1971). 1934 entstand das Bibelheim, 1969 die kath. Kirche. Neben dem vorrangigen Fremdenverkehr (1990 70% Arbeitsplätze im 3. Sektor) blieb der Steinbruch Balmholz einziger Industriezweig.


Literatur
Beatushöhlenforschung, 1979
– A. Breitschmid et al., B., 1980
B. 2000, 1989

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler