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Peiden

Ehem. polit. Gem. GR, Kreis Lumnezia/Lugnez, Bez. Surselva. 1963 fusionierte P., das bis 2000 zum Bez. Glenner gehörte, mit Uors zur polit. Gem. Uors-P. Seit 2002 Fraktion der polit. Gem. Suraua. Hangsiedlung an der Verbindungsstrasse zwischen Ober- und Unterlugnez. 1345 Pedens. 1850 91 Einw.; 1900 129; 1910 147; 1950 87; 1960 67; Uors-P.: 1970 116 Einw.; 1980 69; 2000 90. Im SpätMA unterstand die rom. Siedlung aus dem 11. Jh. als Lehen des Bistums Chur der Vogtei der Belmont, denen 1371 die Lumerins und 1390 die Sax-Misox folgten. 1538 gelang der Auskauf der Feudalrechte, die damals gebildete Nachbarschaft mit Camuns und Cumbel bestand bis 1851. Kirchlich gehörte P. zur Talkirche St. Vinzenz in Pleif, bildete dann von 1745 die Kuratkaplanei Hl. Dreifaltigkeit und von 1910-63 eine Pfarrei (Kapuzinerseelsorge 1873-1924). Im Talboden liegt am linken Glennerufer die 1345 erw. Kapelle (ursprünglich St. Sigismund, dann St. Luzius) und ihr gegenüber das seit dem 13. Jh. bekannte Bad P., dessen drei Quellen gemäss einer Urkunde von 1563 Gemeinbesitz von P. und Camuns waren. Ein Erdrutsch zerstörte 1812, ein Hochwasser 1868 die sich damals im Besitz des Arztes und Nationalrats Johann Bartholome Arpagaus befindl. Quellen. Das 1873 wiedereröffnete Bad genoss in den gehobenen Gesellschaftskreisen der Belle Epoque einen guten Ruf, so dass 1891 ein neues Kurhaus und 1906 eine Dépendance erstellt werden konnte. Dem Kurbetrieb, der von Mitte Juni bis Ende September dauerte, setzte der 1. Weltkrieg ein Ende; danach wurde nur mehr ein Restaurant betrieben. P. leidet wie Schuders unter Hangrutschungen; die Stiftung Pro Peiden-Schuders hilft bei der Bewältigung der Schäden. P. ist eine vom Aussterben bedrohte Siedlung.


Literatur
– J. M. von Rascher, Die Mineralquellen und Curanstalt zu P. im bündner. Alpenthale Lugnez, 1862
Kdm GR 4, 1942, 209-11
Gem. GR
– D. Blumenthal et al., Kulturführer Val Lumnezia und Vals, 2000, 201-209

Autorin/Autor: Adolf Collenberg