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Kandersteg

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Frutigen. Die Gem. im obersten Kandertal, die das Gastern- und das Oeschinental sowie Teile des Blümlisalpmassivs umfasst, besteht aus den Bäuerten K. (mit Dorf K.) und Gastern. Sie war bis zur Verselbstständigung 1909 als Einwohnergemeinde politisch und kirchlich mit Kandergrund verbunden. 1910 3'554 Einw.; 1920 727; 1950 913; 2000 1134. Grosse prähist. Bergstürze (Birre, Fisiberg u.a.) schufen die Talsperre zwischen K. und Kandergrund und stauten den Oeschinensee. Am Lötschengletscher wurden spätneolith. oder frühbronzezeitl. Bögen, auf der Golitschenalp eine bronzezeitl. Nadel, im Gasterntal röm. Hufeisen und am Bahntrassee eine röm. Brücke sowie ein Strassenstück entdeckt. Ein Schiedsurteil legte 1318 die Gemeindegrenzen auf den Alpen an der Gemmi fest, die zwischen Wallisern und K. umstritten waren. Als Teil der Grosspfarrei Frutigen baute K. 1511 eine Marienkapelle, die den Abbruchbefehl (1530) der Reformation überlebte. Sie wurde 1840 Filiale der Helferei bzw. 1860 der Kirchgemeinde Kandergrund und 1910 zur heutigen Kirche erweitert. 1958 erfolgte die Einrichtung des Pfarramts. Verdienstmöglichkeiten boten die Alpwirtschaft (korporative Alpschaften), der Saumverkehr über die Pässe (obrigkeitl. Transportordnung 1677) und im 17. und 18. Jh. der Schwefelabbau auf der Oeschinenalp. Eine Zündholzfabrik wurde im 19. Jh. betrieben. Am Fuss von Gemmi- und Lötschbergpass besass die Bäuert K. das Herbergsrecht. Mit dem Aufkommen des Alpinismus entwickelte sich ab 1850 Fremdenverkehr; zwischen 1855-90 entstanden fünf, bis 1913 dann 19 Hotels im Talboden und im Gasterntal. Der Tunnelbau der Lötschbergbahn 1906-13 trieb die Bevölkerungszahl kurzfristig in die Höhe. Die Bahn und die neue Staatsstrasse förderten den Sommer- und Wintertourismus; nach 1960 entstanden weitere Hotels (mit Residenzen), Ferienhäuser und -heime. K. ist ein international bekannter Ausgangspunkt für Hochtouren (1948 Sesselbahn zum Oeschinensee, 1951 Seilbahn auf den Stock) und verfügt über Bergsteiger- und Gleitschirmflugschulen sowie seit 1979 über ein Skisprungstadion. Das internat. Pfadfinderzentrum wurde 1923, die kath. Kirche 1927 erstellt.


Literatur
– V. Reichen et al., K., 1984
– W. Bellwald, «Drei spätneolithisch/frühbronzezeitl. Pfeilbogen aus dem Gletschereis am Lötschenpass», in ArS 15, 1992, 166-171

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler