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Ritz, Walter

geboren 22.2.1878 Sitten, gestorben 7.7.1909 Göttingen, von Niederwald. Sohn des Raphael ( -> 5). Ledig. Kollegium Sitten, 1897-1903 Stud. der Mathematik und Physik am Polytechnikum in Zürich und an der Univ. Göttingen, dort 1903 Promotion. Forschungsaufenthalte in Leiden, Bonn und Paris. 1904-07 Kuraufenthalte wegen Tuberkulose. Nachdem R. den Glauben an seine Genesung aufgegeben hatte, war er ab 1908 wieder in Göttingen als Forscher tätig, dort 1909 Habilitation. R. entwickelte wichtige Theorien zu Strahlung, Magnetismus und Elektrodynamik. Er lieferte mit dem sog. Ritz-Verfahren zur Lösung von Variationsaufgaben theoret. Vorarbeiten für die Finite-Elemente-Methode und die Quantenmechanik. Von besonderer Wichtigkeit war das von ihm 1908 formulierte Ritz'sche Kombinationsprinzip, das zwischen den versch. Spektralserien eines Elements einfache numer. Beziehungen herstellt, die es erlauben, noch nicht bekannte Serien vorherzusagen und unvollständige Serien zu komplettieren. Des Weiteren beschäftigte sich der geniale Physiker mit den Grundlagen der Elektrodynamik. Die von ihm vertretene ballist. Emissionstheorie des Lichts wurde von Albert Einstein abgelehnt und zugunsten der speziellen Relativitätstheorie aufgegeben. 1909 postum Leconte-Preis der Pariser Akad. der Wissenschaften.


Werke
GW, 1911, (Neudr. 2008)
Archive
– ETH-BIB, wissenschaftl. Nachlass
– StAVS, Briefslg.
Literatur
Verh. SNG, 1909, 96-104, (mit Werkverz.)
DSB 11, 475-481
– M.W. Carlen, «Briefe an den Walliser Physiker Walter R.», in BWG 21, 1989, 107-114
– M.A. El'yashevich et al., «Walter R. as a theoretical physicist and his research on the theory of atomic spectra», in Physics-Uspekhi 38, 1995, 435-455
– A.A. Martínez, «R., Einstein, and the Emission Hypothesis», in Physics in Perspective 6, 2004, 4-28

Autorin/Autor: Erwin Neuenschwander