23/06/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Aeschi bei Spiez

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Frutigen. Ausgedehnte Berggem., Kurort auf dem Bergrücken zwischen Kandertal und Thunersee, umfasst A., Aeschiried, Heustrich-Emdtal, Mülenen und Alpen im hinteren Suldtal. Zur Kirchgem. gehört auch Krattigen. 1228 Asshes, 1269 (villa) Esche. 1764 804 Einw.; 1850 1'251; 1900 1'409; 1950 1'364; 2000 2'025.

Auf frühe Besiedlung einschliessl. der Alpgebiete weisen Gräber (Niederdorf, Greber-, Latreienalp) und Einzelfunde (Heustrich, Rengglipass) hin, z.T. aus der Latènezeit. Im 13. Jh. war A. Mittelpunkt einer Grosspfarrei (Kirche 1228 erw., Petrus-Patrozinium, im Kern rom. Bau, Wandmalereien des 14. Jh.), die auch Krattigen und Reichenbach umschloss, und gehörte zur Herrschaft Mülenen der Herren von Kien (später u.a. von Wädenswil, vom Turn). Mit dieser kam es 1352 samt den Gerichten an Bern unter die Verwaltung des bern. Kastlans, zuerst in Mülenen, vom 15./16. Jh. an in Frutigen. Der Kirchensatz kam ans Berner Münster. Neben freien Landleuten gab es in A. im 15. Jh. Vogteileute und steuerfreie Ministerialen (z.B. Scharnachtal). A. besass ein eigenes, 1469 kodifiziertes und erst 1835 abgeschafftes Landrecht. Es liess sich das alte Asylrecht des Pfarrhauses 1513 bestätigen und gründete noch 1520 eine Jakobsbruderschaft. Bern führte 1528 die Reformation zwangsweise ein und trennte 1529 Reichenbach als selbständige Kirchgem. ab.

Haupterwerbszweige waren Viehwirtschaft im Tal- und Alpbetrieb (Latreien-, Steinalp 1342 erw.) und Viehhandel (Jahrmarkt für Grossvieh und Schafe 1641 erw.). Im 19. Jh. litt die Bevölkerung unter der wirtschaftl. Stagnation, die sich nur allmähl. mit Hilfe des Tourismus überwinden liess: Von 1855 an machte sich das Bad Heustrich als Kurort einen Namen; es erhielt 1901 Anschluss an die spätere Lötschberglinie. Ab 1864 entwickelte sich die Hotellerie in A., v.a. seit dem Ausbau des Strassennetzes an den Thunersee (ab 1923 Autokurse) und nach Mülenen (1906 Bahnstation). Ende der 1960er Jahre nahm der Bau von Ferienwohnungen zu. Entsprechend hoch war 1990 mit 65% der Anteil an in A. Erwerbstätigen im 3. Sektor.


Literatur
– W. Brügger et al., Das Frutigbuch, 1977
– W. Stalder, A., 1991

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler