Libera Stampa

1913 von Guglielmo Canevascini, Paolo Bardazzi und anderen Mitgliedern einer Dissidentengruppe der SP des Kt. Tessin als Wochenblatt gegr. Zeitung, die eine Gegenposition zum Parteiorgan "L'Aurora" vertrat. 1917 wurde die L. zum offiziellen Organ der wiedervereinigten Partei und erschien ab 1920 täglich. Sie war die erste antifaschist. Zeitung Europas in ital. Sprache. Trotz des 1923 erfolgten Verbots wurde sie in Italien heimlich verbreitet. Ihr antifaschist. Wirken wurde mit der Gruppe Giustizia e Libertà abgesprochen und stützte sich auf die Zusammenarbeit mit ital. Flüchtlingen wie Randolfo Pacciardi und Angelo Tonello. Der Wille, das Tessin im ital. Kulturkreis zu verankern, führte zur Schaffung des Literaturpreises L., der zwischen 1946 und 1966 verliehen wurde. Als "Nuova Libera Stampa" versuchte die L. zu Beginn der 1990er Jahre einen Neuanfang als unabhängige, linke Forumszeitung, musste aber 1993 ihr Erscheinen endgültig einstellen. Ihre letzte Auflage betrug 4'500 Exemplare.


Literatur
– Blaser, Bibl., 970
– R. Burkhard, Die Tessiner Presse, 1977
Testimonianze di 70 anni, hg. von P. Genasci, A. Bernasconi, 1986
– E. Bellinelli, «Il Premio "L."», in Per una comune civiltà letteraria, hg. von R. Castagnola, P. Parachini, 2003, 55-67

Autorin/Autor: Ernst Bollinger