Toos

Ehem. Ortsgem. TG, polit. Gem. Schönholzerswilen, Bez. Weinfelden. Das auf einer Terrasse am Nollen südlich von Weinfelden gelegene T. gehörte 1803-1964 als Ortsgem. zur Munizipalgem. Schönholzerswilen. 1964 schlossen sich die Ortsgem. Schönholzerswilen und T. zur polit. Gem. Schönholzerswilen zusammen. 1284 Tozze. 1831 180 Einw.; 1850 207; 1900 148; 1950 126; 1960 109.

1 - Vorrömische Zeit

Der markante Geländesporn Waldi bei T. im Hinterland des südl. Thurabhangs zählt zu den bedeutendsten prähist. Höhensiedlungen der Nordostschweiz. Der Siedlungsplatz liegt auf einem Plateau von rund 60 Mal 200 m, das auf drei Seiten etwa 20 m abfällt. Gegen Süden verbindet es eine schmale Rippe mit der dahinterliegenden Erhebung. An der schmalsten Stelle wird das Plateau durch einen querlaufenden Wall abgeriegelt. Archäolog. Untersuchungen zwischen 1969 und 1977 haben gezeigt, dass der Siedlungsplatz mit Unterbrechungen von der Frühbronzezeit bis in die spätröm. Zeit belegt war. Die Anfänge der Wallkonstruktion, deren Reste sich heute noch als bis zu 4 m hohe und rund 30 m breite Geländeerhebung abzeichnen, gehen auf den Zeitraum 1800-1550 v.Chr. zurück. Die mehrphasige Mauerkonstruktion aus Bollensteinen, Holz und Erde innerhalb der Wallruine hat sich teils noch bis zu einer Höhe von 2,5 m erhalten. Aufgrund seiner Grösse und den aufwendigen Befestigungen ist zu vermuten, dass T.-Waldi ein regionales Machtzentrum war. Unter dem nicht sehr zahlreichen Fundmaterial, das typologisch der jüngeren Frühbronzezeit angehört, sticht eine Pferdetrensenstange aus Hirschgeweih hervor. Das Objekt, das Einflüsse aus Osteuropa zu erkennen gibt, stellt einen frühen Beleg der Pferdehaltung in der Schweiz dar. Von der mittleren Bronzezeit (1550-1300 v.Chr.) bis zum Ende der Spätbronzezeit (800 v.Chr.) scheint der Platz intensiv besiedelt oder doch sehr häufig belegt gewesen zu sein, wie aus einer beachtl. Fundmenge und einer Vielzahl von Pfostenlöchern und Gruben hervorgeht. Diese Siedlungsintensität sowie die spätere landwirtschaftl. Nutzung des Plateaus lassen es nur in Ausnahmefällen zu, einzelne Baustrukturen einer Epoche zuzuweisen. Einige keram. Funde zeigen, dass die Anlage auch noch in der älteren Eisenzeit (800-480 v.Chr.) unterhalten wurde. Auf dem Sporn stand im 3. Jh. n.Chr. ein röm. Refugium.

Autorin/Autor: Albin Hasenfratz

2 - Politische Gemeinde

Alt- und Neu-T. sind undatierte Burgstellen, die vermutlich von den Ministerialen von T. bewohnt wurden. Bis 1798 gehörte T. zu den Herrschaften Bürglen und Weinfelden (so der Weiler Habisreuti) sowie zum Freigericht Thurlinden. Kirchlich teilte T. das Schicksal von Werthbühl. Ab 1534 besuchten die Reformierten die Kirche in Märwil, ab 1714 diejenige in Schönholzerswilen. 1861 wurde ein Teil der Reformierten von T. Bussnang zugeteilt. Die Bauern von T. betrieben Wiesen- und Obstbau, Vieh- und Milchwirtschaft. 1879 wurde die Käserei Lanterswil-T. eingerichtet. Die 1372 erw. und vor 1900 stillgelegte Mühle war ab 1460 ein eidg. Lehen. 1862 existierte eine Baumwollferggerei, um 1900 eine Stickerei, Ende 20. Jh. siedelten sich versch. Dienstleistungsbetriebe an.

Autorin/Autor: Erich Trösch

Quellen und Literatur

Literatur
Kdm TG 3, 1962, 353
– A.N. Lanzrein, «Die befestigte Höhensiedlung von T.-Waldi», in Archäologie im Thurgau 15, 2009
Archäologie im Thurgau 16, 2010, 332.