15/01/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Höngg

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Ehem. polit. Gem. ZH, mit dem alten Dorf bei der Kirche und dem Weiler Rütihof, seit 1934 Quartier der Stadt Zürich, heute fast vollständig überbaut. 858 in Hohinco, 898 in villa Hoenka. Dorf H.: 1634 629 Einw.; 1728/33 1'019. Rütihof: 1634 9 Einw.; 1728/33 45; 1900 97. Gem. H.: 1836 1'531 Einw.; 1900 3'085. Quartier H.: 1950 8'803 Einw.; 2000 20'423.

Eine vor das FrühMA zurückreichende Besiedlung ist bisher nicht belegt, aber durch Grabhügel der Hallstattzeit (um 650 v.Chr.) im Heiziholz angedeutet. Die vermutlich kurz nach 700 gegr. Eigenkirche H. wurde 870 an das Kloster St. Gallen übertragen, Patron war Mauritius. Die Herrschaftsverhältnisse im MA sind unklar. Von der habsburg. Ritterfam. von Humlikon (um 1300) gelangten Rechte an die von Seen, die 1359-65 Vogtei (den einen Meierhof), Kirchensatz und Grundbesitz an das Kloster Wettingen verkauften. Das Zürcher Grossmünster hatte schon um 800 Grundeigentum in H. und besass später auch das niedere Gericht (den anderen Meierhof). Auch andere Klöster besassen Güter in H., so z.B. Einsiedeln und das Fraumünster. Die Stadt Zürich erwarb 1384 die Vogtei über H., wo sie bereits 1351 43 Ausbürger aufgenommen hatte. Das niedere Gericht kam im Zuge der Reformation 1526 hinzu. Bis 1798 wurde H. als innere Obervogtei verwaltet. Der 1280 erstmals erw. Weiler Rütihof gehörte kirchlich zu H., sonst zur Gerichtsherrschaft Weiningen (Kloster Fahr). Zur Kirche H. gehörte spätestens ab 1280 und bis 1529 ein Teil von Regensdorf, 1364-1475 Ober- und Niederhasli, bis 1683 Affoltern "bei H.", bis 1976 Oberengstringen. Die ältesten Fundamentreste in der Kirche stammen aus dem 8./9. Jh., das heutige Schiff von 1703, der Turmhelm und die Glocken von 1863. Bis 1837 behielt das Kloster Wettingen das Pfarrwahlrecht. Eine kath. Kirche besteht seit 1940.

Die Offnung von H. wurde 1338 aufgezeichnet. Der nach Gemeindevorschlag vom Zürcher Rat gewählte Untervogt wird 1436 erwähnt, fünf Dorfmeier 1406, "die Zwölf" 1450, ab 1640 nur noch vier Geschworene. Einzugsbrief 1571, Gemeindeordnung 1576. Vorsitzender des wöchentlich tagenden Ortsgerichts (1504 erw.) war bis ca. 1665 der Hofmeier des Grossmünsters, im 18. Jh. (1702 erw.) der städt. Obervogt. Das Gemeindewirtshaus oder Gesellenhaus, der spätere Rebstock (1876 verkauft), besteht seit 1615, dazu kam 1654 die Metzgerei. Die Gem. besass den Grossteil des Waldes; mit Dornsträuchern aus diesem wurden im Herbst die Reben verzäunt, wofür die Rebbesitzer den "Dörnwein" abzugeben hatten (1502 erw.). Gemeindetrünke, v.a. bei der Rechnungsabnahme, bestanden bis 1869.

Rebbau (im 19. Jh. überwiegend Weisswein) war seit dem MA die landwirtschaftl. Hauptbeschäftigung. 1826 standen in H. 76 Trotten, und noch Ende des 19. Jh. war die Rebfläche die drittgrösste im Kanton. Ein Grossteil der Reben gehörte auswärtigen Besitzern - im MA vorwiegend Klöstern, später vermehrt Stadtzürchern - und wurde von Taglöhnern aus H. bearbeitet. An der Limmat waren bis ca. 1880 wenige Fischer und Schiffleute tätig. Befanden sich 1634 unter 141 Männern 6 Handwerksmeister, so wuchs deren Zahl bis 1860 auf 49 an (neben 95 Landwirten). Rund ein Dutzend Landsitze brachten im 17. und 18. Jh. städt. Lebensart ins Dorf.

H. wurde 1798 dem Distrikt Regensdorf, 1803 dem Bez. Bülach, 1815 dem Bez. Zürich zugeteilt. Der Wahl- und Gerichtskreis Zunft H. umfasste 1803-52 die rechtsufrigen Limmattal-Gem. 1886 wurden die Zivilgemeinden H. und Rütihof (seit 1822) in der polit. Gem. H. vereinigt. Der Rebbau ging ab ca. 1890 rapid zurück (Mehltau, Reblaus), gleichzeitig setzte der Bau von Wohnhäusern ein. Seither arbeitet der Grossteil der Bevölkerung auswärts. Die lokale Industrie blieb wenig bedeutend: 1817 Spinnerei, 1874 Seidenweberei. Seit 1898 verbindet das Tram H. mit Zürich. 1924 nahm in H. der erste deutschschweiz. Radiosender, 1973 die Aussenstation ETH Hönggerberg den Betrieb auf. Ab 1968 wurden mehrere Rebberge neu angelegt, der markanteste am Kirchhügel. Versch. Vereine und Einrichtungen wirken traditionswahrend: 1925 Ortsmuseum, 1934 Zunft H., seit 1973 jährl. Wümmetfäscht.


Literatur
Mitt. der ortsgesch. Komm. H., 1928-
– G. Sibler, Ortsgesch. H., 1998

Autorin/Autor: Georg Sibler