Veltheim (ZH)

Ehem. polit. Gem. ZH, Bez. Winterthur, 1922 in die Stadt Winterthur eingemeindet. 774 feldhaim. 1634 242 Einw.; 1850 721; 1870 1'190; 1900 4'009; 1920 5'665.

Steinbeile des Neolithikums, Lappenäxte der Spätbronzezeit, röm. Keramik und Ziegel sowie das Fragment eines gläsernen Rüsselbechers aus dem 6. Jh. 774 schenkte der Alemanne Blitgaer dem Kloster St. Gallen Güter. Weiteren Grundbesitz besassen das Domstift Konstanz und die Abtei Reichenau. V. gehörte zur Grafschaft Kyburg, kam dann an die Habsburger und 1424 zunächst pfandweise, 1452 definitiv an die Stadt Zürich. Bis 1798 war das Dorf Teil des Enneren Amts in der Landvogtei Kyburg. Nach der Aufhebung der Landvogtei wurde V. dem helvet. Distrikt Winterthur, 1803 dem Bezirk, 1814 dem Oberamt und 1830 wiederum dem Bez. Winterthur zugeteilt.

Die Kollatur der Pfarrkirche St. Anna wurde 1230 von Gf. Hartmann IV. von Kyburg mit dem Heiratsgut seiner Gattin Margaretha von Savoyen samt dem Dorf erworben, kam 1264 an Habsburg-Österreich, wurde 1358 dem Kloster Töss vergabt und ging 1525 an den Rat von Zürich über. Der Sprengel und Zehntenbereich der Kirche V. erstreckte sich im Hoch- und SpätMA weit in den Lindbergwald hinein. Archäolog. Untersuchungen wiesen 1977-78 am Standort der heutigen Pfarrkirche Vorgängerbauten nach: eine rechteckige Saalkirche um 900-1000, eine rom. Kirche des 12. Jh. und einen frühgot. Chor um 1300, der Anfang des 15. Jh. zum Chorturm aufgestockt wurde. Der Mitte des 15. Jh. zur Wallfahrtskirche erweiterte Bau erhielt 1482 einen polygonalen got. Chor, 1498 einen neuen Turm mit Satteldach und um 1500 Fresken von Hans Haggenberg. Zwei Glasgemälde um 1482 und sieben aus dem 17. Jh. wurden 1900 dem Schweiz. Landesmuseum verkauft, um die Kosten der Kirchenrenovation von 1899 zu decken.

Die auf Rodungsland entstandenen Ausbausiedlungen waren um 1500 verlassen, so die Mühle zu Eckenwies sowie die Höfe Grettelberg, Rüti, Hübschenweid, Ackern, Lindberg und Altenburg. Die Offnung von 1474 umschrieb Rechte und Pflichten des Dorfverbands und der Herrschaft und belegt die Dreizelgenwirtschaft. 1579 erneuerte Zürich den Einzugsbrief für V. Gemeindebeschlüsse wurden seit 1682 schriftlich fixiert. Sie betrafen z.T. die Nutzung des Gemeindewalds am Wolfensberg. Die bäuerl. Gemeinde mit Acker- und schon 1279 belegtem Rebbau wandelte sich im 19. Jh. zum Arbeiterdorf. Bereits 1910 arbeiteten ca. 70% der Erwerbstätigen auswärts. Die Zuwanderung erhöhte Verschuldung und Steuersätze. 1891 forderte eine Initiative die Angliederung V.s an die Stadt Winterthur, die 1922 vollzogen wurde. Seither hat sich V. als nördl. Quartier der Stadt Winterthur baulich stark entwickelt.


Literatur
– P. Ziegler, V., 1981

Autorin/Autor: Peter Ziegler