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Utzenstorf

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Fraubrunnen, Verwaltungskreis Emmental. Die Gem. umfasst Ober- und Unterdorf, die Weiler Schachen, Ei und Altwiden sowie Einzelhöfe am rechten Emmenufer und nördlich des Dorfs Schloss und Domäne Landshut. 1175 Uzansdorf. 1764 852 Einw.; 1850 1'651; 1900 1'843; 1950 2'527; 2000 3'649.

Das vermutlich neolith. Erdwerk mit Wohngrube und Silices auf dem Bürglenhubel sowie Einzelfunde am Lindenrain zeugen von früher Besiedlung. Ferner trat im Schnäggefeld ein latènezeitl. Einzelgrab mit Beigaben zutage. In hochburgund. Zeit wird 1009 eine Grafschaft Uranestorfus erwähnt. In zähring.-kyburg. Zeit war die Burg Landshut Zentrum des Amts U. und einer Grund- und vollen Gerichtsherrschaft über das Ober- und Unterdorf U., wie dies noch das Herrschafts- und Dorfrecht von 1416 festhält. 1514 kam U. mit Burg und Kirchensatz an Bern und zur neugeschaffenen Landvogtei Landshut. Das Dorf gehörte im HochMA vermutlich zur Pfarrei Kirchberg, in deren Zehntgebiet es lag. 1481 erwarb Bern den Zehnten. Die im 11. oder 12. Jh. erbaute Kirche wird 1275 erstmals erwähnt. 1457 entstand am selben Ort ein Neubau, unter dem Patrozinium von Martin. Vermutlich handelte es sich um eine kyburg. Eigenkirche. Eine 1529 restlos abgebrochene Jostkapelle lag am Weg nach Kirchberg. Die ref. Kirchgemeinde umfasst U., Wiler und Zielebach. Jeremias Gotthelf verbrachte als Pfarrerssohn einen Teil seiner Kindheit in U. und versah hier später auch Vikariate für seinen Vater. 1960 wurde die kath. Kirche für 24 polit. Gemeinden der Region gebaut.

Das Ackerbauerndorf bewirtschaftete sein eigenes Zelgsystem, hatte aber Nutzungsrechte in den Wäldern der Schlossdomäne. Interkommunale Weidgänge führten im 16. Jh. zu Streit und danach zur Festlegung von Gemeindegrenzen, u.a. 1505-26 mit Bätterkinden und 1596 mit Wiler und Zielebach. Im 16. Jh. siedelten sich Tauner im Schachen und in der Ei an. Sie verlangten 1556 und 1688 Anteil an der bäuerl. Allmend. Im 17. Jh. wurde die Uferverbauung der Emme unter den Anstössergemeinden geregelt; aber erst die staatl. Emmekorrektion ab 1884 unterband die period. Überschwemmungen. Bis zum Brückenbau 1747 bestand nach Bätterkinden nur ein Emmensteg. Die Lage an der rechtsufrigen Strasse nach Solothurn und ab 1875 an der Eisenbahnlinie Solothurn-Burgdorf mit Anschluss nach Thun förderte U.s Landwirtschaft und das agrar. Gewerbe, darunter die Handelsmühle, die Käserei oder die landwirtschaftl. Genossenschaft. 1892 eröffnete mit der Papierfabrik ein erster Industriebetrieb, 1894-1952 gab es eine Biskuitfabrik. Weiter sind Werkzeugbaufirmen, Kieswerke, Baufirmen und ein Altpapierwerk zu nennen. Der 1945 geplante internat. Flughafen auf der Emmenebene scheiterte an der Opposition der Bevölkerung. In den 1970er und 80er Jahren entstanden Neubauquartiere, ab 1980 wurde der Dorfkern ausgebaut. Im Schulverband mit Bätterkinden, Wiler und Zielebach bietet U. alle Schulstufen inklusive der 1892 gegr. Sekundarschule an.


Quellen
SSRQ BE II/10
Literatur
– C. Lerch, U., 1955
U. im Spiegel alter Fotos und Postkarten, 1988
– A. Baeriswyl, Die Kirche U., 2004
– P. Bannwart, Bauinventar der Gem. U., 2005

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler