Oerlikon

Ehem. polit. Gem. ZH, Bez. Zürich, 1934 in die Stadt Zürich eingemeindet. O. war 1803-72 Teil der ehem. Gem.Schwamendingen und wurde 1872 eigenständig. O. liegt im Norden von Zürich am Rand des Glatttals. 946 de Orlinchoua. 1467 5 Haushalte; 1633 60 Einw.; 1799 183; 1850 476; 1880 1'213; 1900 3'982; 1930 12'503; 1941 18'809; 1960 21'890; 1980 16'634; 2000 17'909.

Im MA gehörten rund elf Höfe im Dorf O. zur Grundherrschaft des Zürcher Grossmünsterstifts, das bis zur Reformation auch über das Niedergericht verfügte. Begütert waren hier zudem die Klöster St. Martin auf dem Zürichberg, St. Blasien (Schwarzwald) und das Fraumünster. Hochgerichtlich gehörte O. zur Grafschaft Kyburg, die 1424 zur Stadt Zürich kam. Danach war die Gem. bis 1798 Teil der Vogtei Schwamendingen, in der Helvetik des Distrikts Regensdorf. Die 1271 erw. Galluskapelle war bis zur Reformation eine Filiale des Grossmünsters und wurde dann als Wohnhaus umgenutzt (1969 abgebrochen). O. gehörte bis 1946 zur ref. Kirchgemeinde Schwamendingen und ist seither selbständig. Bereits 1906-08 wurde eine eigene Kirche gebaut. Die Bauern in O. betrieben eine dörfl. Zelgenwirtschaft und hielten nebst dem Zugvieh auch Mastochsen. Im 18. Jh. umfasste die Allmend von O. ca. 14 ha Wald sowie 25 ha Weide- und Riedland. 1787 war die textile Heimindustrie in O. wenig verbreitet, hingegen fanden 20 Personen ihr Auskommen in der nahen Stadt. In der 2. Hälfte des 19. Jh. entwickelte sich O. zum Eisenbahnknotenpunkt. Die Eröffnung der Linien O.-Winterthur 1855, O.-Zürich und O.-Uster 1856 sowie O.-Bülach 1865 lösten einen Industrialisierungsschub und ein gewaltiges Bevölkerungswachstum aus. Ab 1897 verkehrte das erste Tram der privaten Strassenbahngesellschaft nach Zürich. Mit den Glattabsenkungen 1890 und 1936 wurden die Voraussetzungen für eine Besiedlung der ganzen Talebene geschaffen. Begünstigt wurde die Entwicklung zur Vorstadt durch eine umsichtige Quartierplanung, u.a. durch den Bebauungsplan von 1898 von Gemeindeingenieur Johann Matthäus Scheifele und die Teilnahme am städtebaul. Ideenwettbewerb Gross-Zürich (1914-18). Daraus resultierte 1924 die Gestaltung des Zentrums Marktplatz. Die letzten Überreste des alten Dorfkerns wichen 1969 der Zentrumsüberbauung Dorflinde. Zu den wichtigen Industrieansiedlungen in O. zählten 1876 die Maschinenfabrik Oerlikon, 1895 die Accumulatoren-Fabrik Oerlikon AG und 1906 die Schweiz. Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon (Oerlikon-Bührle). Stätten der Arbeiter- und Freizeitkultur sowie des Sports hielten 1912 mit dem Kino Colosseum und der offenen Rennbahn, 1930 mit dem Volkshaus Baumacker und 1939 mit dem Hallenstadion Einzug in O. Seit den 1990er Jahren entsteht mit der Neuüberbauung des ehem. Industrieareals der Asea Brown Boveri nordwestlich des Bahnhofs O. (u.a. Oerliker Park 2001) ein neuer Stadtteil. Dieser bildet das Bindeglied zwischen der Stadt Zürich und der urbanen Wachstumsregion Glatttalstadt. Trotz des Rückgangs der Industrie blieb O. ein wichtiger Standort für Unternehmen. 2001 stellte das Stadtquartier rund 15'100 Arbeitsplätze mit über 70% Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor.


Literatur
– A. Bollinger, O., 2[1983]
– F. Lendenmann, Hundert Jahre Gross-Zürich, 1994, 92-103
GKZ 2, 110, 169 f.
Baukultur in Zürich 1, 2002, 39-48

Autorin/Autor: Martin Illi