Oberstrass

Ehem. polit. Gem. ZH, Bez. Zürich, 1893 in die Stadt Zürich eingemeindeter Vorort (Teil des Kreises 6), nördlich der Innenstadt zwischen Limmat und Zürichberg gelegen. 1377 obren Strass. 1467 31 Haushalte; 1634 228 Einw.; 1771 480; 1850 1'183; 1888 4'201; 1900 6'260; 1930 14'422; 1950 15'010; 1970 12'452; 2000 9'913.

Ab dem MA führte die obere Landstrasse vom Zürcher Neumarkttor bergwärts über O. nach Schwamendingen und Winterthur. Durch O. verliefen zwei vorgeschobene spätma. Geländegräben der Stadtbefestigung (Letzi). Ab dem 13. Jh. waren die Fraumünsterabtei, das Grossmünster, Spital und Kloster St. Martin auf dem Zürichberg Grundherren in O. Das Grossmünster besass zudem das Niedergericht. 1400 kam das Hochgericht mit der Reichsvogtei zur Stadt Zürich. 1418-1798 blieb die Gem. der Vogtei Vier Wachten unterstellt. Die Neuordnung 1418 durch die Stadt festigte die Gemeindebildung. 1462 traten Geschworene auf. Im 16. Jh. wird das Gemeindegut mit Wald und Allmend (u.a. Geissberg, Zürichberg) erwähnt. 1613-1836 bestand das Gemeinde- und Gesellenhaus zum Hund mit einem Tavernenrecht. Ab dem MA gehörte O. zur Kirchgemeinde Grossmünster und wurde 1614 der neu gebildeten Kirchgemeinde zu Predigern zugeteilt. Nach der Schaffung einer eigenen Kirchgemeinde 1893 liess O. 1910 eine neue ref. Kirche bauen. 1933 wurde die kath. Kirche Bruder Klaus in O. errichtet; zur Pfarrei gehören O., Unterstrass und Irchel. 1837 wurde nach der Beseitigung der Stadtschanzen die neue Ausfallstrasse nach Winterthur gebaut. Als eher arme Vorortsgemeinde ohne nennenswerte Industrie konnte O. die wachsenden Infrastrukturkosten nicht mehr selbst tragen. 1891 stimmte O. seiner Eingemeindung in die Stadt mit über 90% der Stimmen zu. 1895 eröffnete die Zentrale Zürichbergbahn die Tramlinie vom Stadtzentrum über die Platte zum Rigiplatz. 1906 übernahm die Stadt den Trambetrieb und verlängerte die Linie 1923 bis zum Irchel. 1901 nahmen die Standseilbahn Rigiblick und das Kurhaus Rigiblick den Betrieb auf. Bis 1932 wurde fast das gesamte unbewaldete Gemeindegebiet mit Ausnahme des Areals der 1853 gegr. Landwirtschaftlichen Schule Strickhof überbaut. Oberhalb der Universitäts- und Winterthurerstrasse dominieren die Einfamilienhäuser. 1890 hatte z.B. die private Immobiliengesellschaft Rigiviertel rund 17 ha Land erworben, das sie mit Villen im Stil des Historismus und im Jugendstil überbauen liess. Unterhalb der Strasse stehen hauptsächlich Mehrfamilienhäuser, u.a. liess die Stadt 1912-19 die Wohnkolonie Riedtli mit 28 Baugruppen erstellen. Prägend für das Quartier war die Nähe zu den beiden Hochschulen, so zum Eidg. Polytechnikum mit versch. Bauten aus den 1870er und 80er Jahren sowie zum Universitätsspital mit der Frauenklinik. Die 1864 eröffnete Eidg. Sternwarte beherbergt seit 1997 das Collegium Helveticum der ETH Zürich. 1971-79 wurden auf dem ehem. Gebiet des Strickhofs die Univ. Zürich-Irchel und der Irchelpark geschaffen, seit 1981 mit dem Staatsarchiv Zürich. O. blieb mehrheitlich ein Wohnquartier und stellte 2001 nur gut 600 Arbeitsplätze mit 92% der Erwerbstätigen im 3. Sektor.


Literatur
– W. Adams, O., 1983
Hundert Jahre Gross-Zürich, Ausstellungskat. Zürich, 1993, 110-119

Autorin/Autor: Martin Illi