Enge (ZH)

Ehem. polit. Gem. ZH mit der Zivilgem. Leimbach (ZH), 1893 in Zürich eingemeindet. 1210 in Engi superiori. 1637 254 Einw.; 1678 404; 1789 737; 1836 1'482; 1850 2'277; 1888 5'109. Streusiedlung mit später Zentrumsbildung, die 1423 als Teil der Vogtei Wollishofen hoch- und niedergerichtlich zu Zürich kam. E. gehörte zur Pfarrei St. Peter (Zürich). Die 1361 erwähnte Dreikönigskapelle wurde 1525 profaniert, 1890 abgebrochen. Ein 1776 erbautes Bet- und Schulhaus wurde 1899 abgetragen. Die 1882 gebildete Kirchgem. E.-Leimbach erhielt 1894 eine von Alfred Friedrich Bluntschli gestaltete monumentale Neurenaissancekirche. Dem Kirchenbau war ein Rechtsstreit bis vor Bundesgericht mit dem verkaufsunwilligen Landbesitzer Adolf Guyer-Zeller vorangegangen.

Das Dorf ging aus einem städt. Steuer- und Militärbezirk hervor, der Wacht Dreikönigen. Diese trat 1480 erstmals selbstständig handelnd auf. Dorforgane (sog. Geschworene) sind ab 1549 fassbar. Einzugsbrief (1558) und Gemeindegutsrechnung (1589) markieren die weitere kommunale Entwicklung. 1624 erwarb die Gem. eine Liegenschaft als Gemeinde- oder Gesellenhaus, stiess sie aber wenig später zugunsten der Taverne "Zum Sternen" ab (1833 verkauft, 1892 abgebrannt). E. unterstand teilweise dem städt. Gewerbebann. Hier befanden sich Bleichen und die Seidenzwirnerei Johannes Schaufelberger, später bis 1830 die Kattundruckerei Meyer. 1789 waren fünf von 24 Landwirten Vollbauern, die 45% des Bodens besassen. Reiche Stadtbürger hatten bereits im SpätMA Landsitze in E. erworben. 1789 verfügten sie über 16 Jucharten Reben (17%). Etappen des Ausbaus der kommunalen und stadtzürcher. Infrastruktur sind die Seestrasse 1834, die Gasbeleuchtung 1864, die linke Seeuferbahn 1875, die Strassenbahn 1882, die Quaianlagen von Arnold Bürkli 1887 sowie die Tonhalle 1895. Die Gemeinnützige Gesellschaft entstand 1831, die Zunft Drei Königen 1897. Im 19. Jh. differenzierte sich die Siedlungsentwicklung: Auf den Moränenzügen und am See entstand das repräsentativste Villenviertel Zürichs mit dem 1782 von Johannes Werdmüller erbauten Muraltengut, dem 1831 von Heinrich Escher (1776-1853) als Familiensitz errichteten Belvoir, der 1857 von Leonhard Zeugheer entworfenen Villa Wesendonck des Förderers von Richard Wagner, Otto Wesendonck (seit 1945 Museum Rietberg für aussereurop. Kultur), sowie dem 1898 erbauten Palais Henneberg des Seidenfabrikanten Gustav Henneberg (1969 abgetragen). Die sog. Innere E. mit der Ausfallachse Bleicherweg wurde zum Stadterweiterungsgebiet Zürichs. Den Hinterhang gegen die Sihl prägten Industriebauten wie die Gasfabrik (1865-93), die 1866 gegründete Wirkwarenfabrik Leuthold und die 1867 erstellte Brauerei Hürlimann. In einer kant. Volksabstimmung von 1891 lehnte E. die Eingemeindung mit nur fünf Stimmen Unterschied ab. Den Wandel zum Geschäftsviertel leiteten drei Versicherungsgesellschaften ein, die in E. markante Hauptsitze erstellten: 1897 die Rentenanstalt, 1899 die Zürich-Versicherung und 1913 die Schweiz. Rückversicherungs-Gesellschaft.


Archive
– BAZ
– StadtA Zürich, GemA E.
Literatur
– P. Guyer, Die Gesch. der E., 1980

Autorin/Autor: Martin Illi