23/06/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Affoltern bei Zürich

Ehem. polit. Gem. ZH, Bez. Dielsdorf, seit 1934 eingemeindeter Vorort der polit. Gem. Zürich. Das Dorf besteht aus den Fraktionen Ober- und Unter-Affoltern. 870 Affaltrahe. 1634 208 Einw.; 1792 466; 1850 786; 1900 1'424; 1930 2'570; 1950 6'741; 1980 17'907; 1990 18'084.

Belegt sind versch. Altfunde aus röm. und frühma. Zeit. Nach der Abtei St. Gallen im 9. Jh. sind in A. nach 1200 v.a. die Frh. von Regensberg, das Fraumünster und das Grossmünster in Zürich, die Klöster Einsiedeln, St. Blasien (D), Wettingen und Selnau als weltl. und geistl. Grundherren nachgewiesen. Vom 13. Jh. an traten vermehrt Stadtzürcher Fam. als Leheninhaber in Erscheinung. A. gehörte zu der ab 1468 zürcher. Herrschaft Alt-Regensberg (bis 1798 Obervogtei Regensdorf), kirchl. bis 1664 zur Grosspfarrei Höngg. Nach vorübergehender Zuteilung zum Grossmünster erstellte die Gem. 1683 ein eigenes Gotteshaus und wurde selbständige Pfarrei. Die Kollatur lag beim Zürcher Rat. Eine kath. Kirche erhielt die Gem. 1928, eine kath. Pfarrei 1933. Einzugsbriefe von 1584 und 1626 regelten die Abschliessung der Dorfgem. gegenüber armen Zuzügern. Holznutzungsordnungen schränkten in der 2. Hälfte des 16. Jh. die Übernutzung des Waldes ein. Als Gemeindebehörde amtete bis 1798 ein Viererkollegium, angeführt vom Seckelmeister, der vom Obervogt gewählt wurde. Die Gemeindeversammlung hatte ein Vorschlagsrecht. Die textile Heimindustrie war in A. verbreitet. 1787 wurden 84 Baumwollspinner gezählt, d.h. 18% der Bevölkerung; für das Zürcher Unterland ein überdurchschnittlicher Wert. Mit der Industrialisierung, begünstigt durch die Nähe zu den Zentren Zürich und Oerlikon, verlor A. allmähl. den bäuerl. Charakter. Bereits 1836 wurden je 80 Bauern und Fabrikarbeiter gezählt. Nach 1900 geriet A. an den Rand des finanziellen Kollapses. Nach harten Auseinandersetzungen leistete der Kt. 1914 zwar Hilfe, griff aber in die Finanzautonomie der Gem. ein. Der Grund für die Krise lag in der ungleichen sozialen und wirtschaftl. Entwicklung: Vorerst siedelten sich in A. keine namhaften Industriebetriebe an, und Arbeiter, welche nach Oerlikon und Zürich pendelten, stellten den grössten Teil der Zuzüger. 1910 arbeiteten 56% der Erwerbstätigen ausserhalb der Gem. Eine Schere öffnete sich zwischen den wachsenden Infrastrukturausgaben und den Steuereinnahmen. Einen Ausgleich brachte 1934 die Eingemeindung in die Stadt Zürich. Bereits 1877 hatte A. Anschluss an die Nationalbahnlinie Winterthur-Baden erhalten. Ein 1910 eröffneter privater Autobusbetrieb nach Zürich ging 1931 an die städt. Verkehrsbetriebe. Seit 1943 besteht die Eidg. Forschungsanstalt für landwirtschaftl. Pflanzenbau Zürich-Reckenholz (FAP). In den 1960er Jahren setzte eine bis heute fortdauernde Bautätigkeit ein, dennoch stagniert seit 1980 die Bevölkerungszahl. Ober- und Unter-A. haben sich mit der um 1900 entstandenen Kolonie Neu-A. zur geschlossenen Siedlungsfläche verdichtet. Der periphere Grüngürtel gegen das Naturschutzgebiet Katzensee wird von der Nordumfahrung Zürich (A20) durchschnitten. Den Charakter eines Wohnquartiers mit geringer Arbeitsplatzdichte hat A. behalten (1990 92% Wegpendler in andere Quartiere oder Gem.).


Literatur
– W. Akeret, «Die zweite Zürcher Eingemeindung von 1934», in TA Mgz. 10, 1977, 15-21
– E. Spillmann, Zürich-Affoltern, 21979
– B. Haas et al., Hundert Jahre Gross-Zürich, 1994, 44-55

Autorin/Autor: Martin Illi