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Reinert, Johann Baptist

geboren 31.10.1790 Oberdorf, gestorben 22.3.1853 Solothurn, kath., von Oberdorf. Sohn des Urs Josef, Bauern, und der Maria Reinhard. ∞ Sophie Henrika Sauerteig, verwitwete Glutz von Blotzheim, aus Frankfurt am Main. Kollegium in Solothurn, Stud. der Rechte und Philosophie in Berlin, u.a. bei Friedrich Carl von Savigny und Johann Gottlieb Fichte. 1813 Sekr. des Finanzrats, Teilnahme am antipatriz. Aufstand von 1814, danach Exil. 1815 Fürsprechexamen und Eröffnung einer Anwaltspraxis (bis 1831). 1831 Amtsgerichtspräs. von Bucheggberg-Kriegstetten, 1832-38 zudem Präs. des Kriminalgerichts. 1827-41 Grossrat, 1841-53 Regierungsrat und ab 1847 zugleich Staatsschreiber, 1849 Ersatzvertreter, ab 1850 Vorsteher des Erziehungsdepartements. Mitglied der Helvet., der Literar. und der Ökonomisch-gemeinnützigen Gesellschaft. R. war von aufgeklärt-liberaler Gesinnung, aber allem plebiszitären und direktdemokrat. Denken abhold. Dem Balsthaler Volkstag von 1830, der von seinem ehem. Schulkollegen und polit. Mitstreiter Josef Munzinger inszeniert worden war, brachte er kein Verständnis entgegen. Nach dem Sturz des Patriziats stellte sich R. an die Spitze der Ausgleichsbewegung zwischen Stadt und Landschaft und beteiligte sich mit Amanz Fidel Glutz von Blotzheim massgeblich an der Gestaltung der ersten demokrat. Kantonsverfassung vom Jan. 1831. Über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus bekannt wurde R., als er 1838 mit der Abfassung der kant. Gesetzeswerke betraut wurde. Sein Gesetz über das Verfahren in Kriminal- und Polizeisachen wurde etwa vom Grossherzogtum Hessen und die Zivilprozessordnung von 1839 von einigen Schweizer Kantonen übernommen. Der Jurist Carl Mittermaier zählte R.s Hypothekargesetz von 1838 zu den besten Europas. Eine Pionierleistung war das zwischen 1841 und 1847 entstandene solothurn. Zivilgesetzbuch.


Literatur
– P. Walliser, Die polit. Stellung Johann Baptist R.s in der solothurn. Regeneration, 1943
– P. Walliser, Der Gesetzgeber Joh. Baptist R. und das solothurn. Zivilgesetzbuch von 1841-1847, 1948

Autorin/Autor: Thomas Wallner